Über Benutzeroberflächen

Seit GEOS auf dem guten alten 64'er gilt mein Hauptaugenmerk und Interesse dem Gestalten von Benutzeroberflächen. 

 

Natürlich gab es zu dieser Zeit schon den Apple Macintosh, jenen kleinen Computer der 1984 eben nicht zu "1984" werden ließ. Dafür arbeiten die selbsternannten Herren der Welt, u. a. Herr Schäuble, und viele andere Konzerne, u. a. leider auch Apple selbst, heute mit um so mehr Nachdruck daran.

 

Mit GEOS 64 erschien in diesem Jahr eine grafische Benutzeroberfläche, die viele Dinge bot und umsetzte, die der Apple Macintosh für über 10.000 USD bot. Das ganze brachte neben einer Art "Finder" auch eine grafische Textverarbeitung, die mit Bitmap-Schriftarten, grafischem Text, und vielem mehr, umfassende Dokumente erzeugen konnte.

Neben dem reinen Nutzen wollte ich dieses System, das ab Version 1.3 auch in deutsch erhältlich war (was ja keine Selbstverständlichkeit in dieser Zeit war), auch programmieren können. Zuerst mussten dazu eine hohe Hürde überwunden werden, es musste Assembler gelernt werden und dazu kam eine Investition von über 100 DM, viel Geld für 64'er Fans, für den Assembler, der allerdings komfortabel mit Quelltexten aus GeoWrite gefüttert werden musste. Erst kurz vor dem Ende der 64'er-Ära erschien mit GeoBasic auch ein Basic, das fast alle Aspekte dieses genialen Systems berücksichtigte.

 

Mein nächstes System war der Sprung zum PC und damit kam dann auch PC-GEOS, das mit dem 64'er-Pendant nur den Namen und die Herstellerfirma gemein hatte. Hier gab es, weit vor Windows, eine Oberfläche, die neben Multitasking (selbst auf dem damaligen XT, dem Urahn aller PCs), skalierbarer Vektorschriften, verschiedener kleiner Anwendungen auch Textverarbeitung und Vektorgrafik-Programm mitbrachte.

 

Danach programmierte ich eine Weile an OS/2 herum, einem System, das vielgeschmäht, vieles vorwegnahm, was wir heute als Windows XP kennen. Daneben hatte ich auch Bekanntschaft mit den ersten Versionen von Linux gemacht.

 

Mit Visual-Age C++ gab es zur damaligen Zeit (1993-1995) kaum ein Software-Entwicklungspaket, das mehr Innovation bot. Allein der Visual-Composer, der es ermöglichte, neben der Benutzeroberfläche auch die dazugehörige Logik zusammenzustöpseln, war schon eine gute Idee. Allerdings war das ganze sehr absturzgefährdet und brachte mich oft zur Verzweiflung. Aber es hat mich einiges gelehrt, und das Hochgefühl, nach gut 40 Programmzeilen endlich ein Fenster auf dem Schirm erscheinen zu lassen, das war es dann auch wert.

 

Schließlich kam - nach Linux und KDE mit Qt - die Erlösung in Form des Macs. Ich bin mit dem ersten iMac, dem kleinen Bondi-blauen, in die Mac-Welt hereingekommen und habe zuerst mit Realbasic gearbeitet. Andere Programmierumgebungen waren entweder total veraltet oder zu teuer. Mit Mac OS X änderte sich da auch die Politik von Apple und das Flair des NextStep-Betriebssystems kam auch auf den Mac.

 

Viele Elemente von GEOS sind auch noch heute - in moderner Form - aktuell. Apple hat inzwischen mit Leopard viele Elemente überarbeitet, und mit Cocoa ist das Programmieren von Benutzeroberflächen viel nebensächlicher (aber nicht unwichtiger) geworden.

Immer noch ist es die Mensch-Maschine-Schnittstelle, die mich fasziniert und das gerade die Benutzer eines Apple-Systems, egal ob Macintosh oder iPhone, sehr auf eine einfache und eingängige Bedienung achten, spornt doch immer wieder aufs neue an.

Anwendungen, die sich stärker an iTunes, den iWork-Programmen, oder auch den Apple-Pro Anwendungen orientieren, zeigen, das Apple schon etwas voraus hat. Moderne Anwendungen öffnen nicht mehr zehn Fenster gleichzeitig, oder kommen mit einer Anmutung eines Telefonbuches daher, sondern bieten neben dem berühmten "Eye-Candy" auch viel Funktionalität. Dabei ist dann auch der Spagat, komplexe Funktionalität in eine einfach zu bedienende Oberfläche zu verpacken, die auch ohne Hilfe oder ein dickes Benutzerhandbuch auskommt, zu meistern.

 

Auch das will ich bei meinen Anwendungen immer wieder zeigen, das dies geht.