SAP Einführung

Weltbild ist insolvent. Jetzt soll die überteuerte SAP Einführung daran schuld sein.

 

Mal meine Gedanken als SAP-Berater dazu. Ich kann dies fast nur von den Logistik-Modulen beurteilen. Meiner Meinung nach gibt es für SAP-Einführungen die Geldmäßig und Zeitmäßig aus dem Ruder laufen drei Hauptansatzpunkte:


  1. Der Kunde möchte all seine Prozesse in SAP so abgebildet haben wie er es von seiner vorherigen Software kennt. Oder teilt dem Berater nur die halben Prozesse mit, so das Nacharbeiten während der Testphase kommen. Beides ist natürlich für Deadlines tödlich. SAP bietet für 99% aller Geschäftsfälle bereits vorgefertigte Prozesse. Wenn man die nicht nutzt sondern eigene Prozesse umständlich am SAP Standard vorbeiprogrammiert darf man sich nicht wundern wenn es am Anfang und weiter bei jedem Update Probleme gibt.
  2. Der Berater will nur verkaufen und schlägt völlig übertriebene Lösungen vor. Ein Kunde der bereits SAP einsetzt dem kann man bspw. eine auf SAP basierende Fuhrparksverwaltung verkaufen, ansonsten ist der Kunde mit einer anderen Lösung sicherlich besser bedient. Da müssten sich die Kollegen mal überlegen, ob ein Kunde, den man so über den Tisch ziehen will auch bleibt.
  3. Das leidige Thema Datenmigration. Egal ob man von einem Fremdsystem oder von einem älteren SAP-System auf ein aktuelles SAP-System geht, die Daten müssen da mitgehen. Da gerade bei SAP Stammdaten in verschiedene Datenbanktabellen aufgeteilt werden fehlt da oft das Verständnis wie die Daten zusammenhängen. So hatte ich den Fall, das Material-Stämme migriert wurden, aber die zugehörigen Preise nur unvollständig. Der Kunde musste seine Daten händisch korrigieren.

Als Lösung kann ich nur anbieten, sich im Vorfeld mehr Gedanken zu machen und sich auch auf den SAP-Weg einzulassen. Es ist sicherlich schwierig sich von einer über die Jahre gewachsenen Routine zu trennen, aber es bringt immer einen Mehrwert, und sei es die Prozesse und Vorgänge innerhalb eines Betriebes zu hinterfragen und zu entschlacken, und dann quasi neu mit einem sauberen System zu starten, als umständlich zu versuchen, möglich nichts zu ändern.