Gedanken zum Sonntag (Mein Senf dazu)

Mein Text bezieht sich auf den gelungenen Status Text von Jürgen Friedrich, den man hier (Achtung Link führt zu Facebook) findet.

 

Zum Text selber gibt es nicht viel zu sagen, ich gebe ihm da 100%ig recht. Dem Text selber kann ich nur wenig hinzufügen, nur möchte ich ihn mit meinen Beobachtungen garnieren.

 

Die Verrohung der Gesellschaft ist eben nicht nur auf Deutschland bezogen, sondern in der gesamten Welt spürbar. Meine Frau ist Chinesin und auch in China ist die Gesellschaft spätestens seit den Reformen von Deng Xiao Ping garantiert nicht mehr als sozialistisch oder gar kommunistisch zu betrachten sondern hier herrscht Brutal-Kapitalismus, jeder gegen jeden. Sicherlich, es hat vielen mehr Chancen gebracht, so hat fast jeder jetzt zumindest genug zu essen, die berühmte Schale Reis. Soweit zumindest die Staatspropaganda. Angesichts eines Milliardenvolkes denke ich, ist diese Aussage nicht ganz falsch.


Meine Frau stammt aus einer solchen reichen Familie, sie ist, wie man hier sagen würde, mit dem goldenen Löffel im Munde geboren (oder soll ich sagen mit den goldenen Stäbchen?). So dreht sich ihr Erfahrungshorizont fast ausschließlich um Kleidung, Schuhe, das neueste iPhone, Schminksachen etc. Argumentieren tut sie meist wie ein Teenager in der Pubertät. Seid wann dauert die Pubertät bis 31? Nun, hierzulande ist das nicht anders. Frauen über 30 bezeichnen sich als Mädchen, Shoppen ist das beliebteste Hobby, und wenn Sonntags nicht die Läden geschlossen wären, würden sie die ganze Woche nichts anderes machen. Und als Beruf wählen sie zwischen Supermodel oder (bislang unentdecktes) Castingshowtalent. Was ich da leider sagen muss, das ist nicht meine Welt.

 

Ich bin da ja ganz anders. In meiner Jugend bis heute hatte ich nicht viele Freunde. Ich habe früh gelernt, mit mir selbst klarzukommen, allein zu sein. Das ist bis heute so geblieben. Ich habe ein paar wenige echte Freunde, die auch zu mir stehen und der Kontakt ist auch nach meinem Chinaaufenthalt und meinem Krankenhausaufenthalt 2012 nicht abgebrochen sondern vertieft. Aber am besten funktioniere ich, wenn ich allein bin. Wenn ich meinen Gedanken nachhängen kann und sie vielleicht in diesem Blog veröffentliche, dann bin ich zufrieden.

 

Meine Ex-Freundin, mit der mich immer noch ein enger Kontakt verbindet, ist da eher auf meiner Wellenlänge. Sie ist auch Chinesin, ist aber ganz anders. Sie kommt vom Land, hat sich von ganz unten bis zu einer hervorragenden Stelle bei einem deutschen Automobilhersteller in Beijing hochgearbeitet. Sie ist intelligent und ehrgeizig. Prinzipiell wäre sie jemand, den ich mir auf einem Vorstandsposten vorstellen könnte. Gleichzeitig ist sie sehr integer, und eine Person, auf die man sich verlassen kann. Und sie hat von mir gelernt, wie man auch mit sich selber sich beschäftigt.

 

Beide bilden zwei Seiten Chinas ab und leider ist die Seite der neureichen Chinesen, die in übermäßiger Dekadenz lebt diejenige, die das sagen hat. Studenten, die sich jedes Jahr einen Gürtel für über 700 Euro kaufen, weil sie es können. Da sind die Geißens ja noch arm gegen.

 

Ich verdiene nicht schlecht, ich bin eigentlich mit allem zufrieden, wie mein bester Freund sagen würde, wir sind beide unserem Geld nicht böse. Ich brauche keine fahrende Penisverlängerung, sondern fahre einen acht Jahre alten Gebrauchtwagen. Der tuts auch. Natürlich leiste ich mir einen gewissen Luxus, habe mir einen neuen iMac zugelegt, und werde mir auch ein, vielleicht bis dahin veraltetes, iPhone 5s oder 5c kaufen. Meine Wohnung wird immer gemütlicher und ich mag es immer mehr, hier zu leben.

 

Ich bin zufrieden und dankbar mit meinem jetzigen Leben, und bin auch nicht neidisch auf all diejenigen die mehr Geld haben. Eher auf diejenigen, die eine gute, funktionierende Familie haben und dessen Partner wirklich innerhalb der Partnerschaft als Partner zur Seite steht, und nicht der eine Partner den anderen mehr oder weniger nur als wandelndes Portemonnaie sieht. Das ist mein Ideal in einer Partnerschaft, das ich derzeit vermisse. Und ich weiß nicht, ob sich das mit meiner jetzigen Frau so umsetzen lässt.

 

Meine Maxime hat sich seit den 80ern, in denen ich sozialisiert wurde, nicht wirklich geändert. Ich versuche, so weit es mir möglich ist, sauber durchs Leben zu gehen, damit ich nicht dereinst auf dem Totenbett sagen muss, du warst ein Arschloch. Das gelingt mir nicht immer, aber ich kann mich immer noch im Spiegel sehen ohne zu kotzen.

 

In den 80ern gab es viele Dinge die mich geprägt haben. Einen Großteil der amerikanischen Serien angefangen von (natürlich) Star Trek (Next Generation), aber auch Knight Rider, das A-Team, etc. Filme mit Bud Spencer habe ich geliebt und tue das heute noch. Keine großen Schauspielkünstler, und kein irgendwie gearteter Problemfilm.

 

Natürlich ist die dort beschriebene Art Probleme zu lösen, nämlich durch Prügel und ausgefeilte Technik, sicherlich heutzutage geächtet. Aber viele Probleme der heutigen Zeit wurden schon angesprochen.

 

Beispielsweise Ausländer. Bei Star Trek trafen viele Völker aufeinander, nicht immer waren sie freundlich gesinnt. Aber man versuchte miteinander auszukommen und wenn das nicht ging, ging man sich aus dem Weg. Daran nehme ich mir ein Beispiel. Ein Ausländer ist in erster Linie ein Mensch. Und erst an seinem / ihrem Handeln entscheide ich, ob Arschloch oder nicht. Das halte ich bei jedem Mensch so, ob Deutscher, Ausländer oder Alien. Erst wenn sich mein Gegenüber wie ein Arschloch benimmt, benehme ich mich genau so, gehe ihm / ihr aus dem Weg wenn ich kann oder stelle ihn / sie zur Rede. Ich bin da deutsch-direkt. Was mich auch aufregt ist, das wenn es um Themen geht, die alle Menschen ausländischer Herkunft geht, wie z. B. Doppelpass, bessere Bildungschancen, Ausübung von Religion und Brauchtum, das den Diskurs fast ausschließlich Muslime bestimmen. Jeder Blogger der sich nur irgendwie zum Thema äußert ist Moslem. Wo sind die Buddhisten, wo die Hindus, wo die Chinesen, Thais, Russen, und andere? Auch mein Kind wird eines Tages die gleichen Probleme haben, wie Ahmet und Aise.

 

Beispielsweise Feminismus. Ich bin, wie gesagt, in den 80ern sozialisiert worden. Also in der Hochzeit des Feminismus. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, das gerade diejenigen die immer von den „Inneren Werten“ sprachen, meist die größten Arschlöcher waren. Ich will gar nicht auf die heutigen Auswüchse mit „genderneutraler Sprache“ hinaus. Dies zeigt mir, das zumindest hierzulande es keine wirklichen Probleme gibt. Das mag in Indien oder anderen Ländern anders aussehen. Und da denke ich, sollten die „Netzfeministinnen“ sich mal ein neues Arbeitsgebiet suchen. Und da weigere ich mich, „genderneutrale Sprache“ zu verwenden. Tante Jay hat das hier dargelegt.

 

Beispielsweise Religion. Ich habe schon viel erlebt, derzeit bin ich mehr auf der buddhistischen Schiene unterwegs. Mit den Kirchen kann ich nicht viel anfangen, alle institutionalisierte Religion trennt mehr, als es den Menschen bringt. Ich glaube daran, das alles Eins ist, aus einer Urenergie, die positiv war, entstanden ist. Und wir irgendwann wieder zu dieser Energie zurückgehen. Nach diversen Inkarnationen. Auch glaube ich, dass das Universum voll ist mit Lebewesen, manche weiterentwickelt als wir manche primitiver. Star Trek lässt grüßen. Das ist meine Religion. Die gehört mir, es gibt aber keine Priester, keine Imame und keine sonstigen „Würdenträger“. Die brauche ich dafür nicht. Ich fand es schon damals schlecht, das ich meine Sandkastenfreundin nicht heiraten konnte, weil sie katholisch und ich evangelisch war. Daher bin ich Gegner solcher Religionen. Ich verachte Menschen, die glauben, andere Menschen dafür umbringen zu müssen, weil die nicht die Regeln ihrer Religion folgen. Menschen, die die äußeren Regeln ihrer Religion für wichtiger halten als den spirituellen Kern. Diese Leute sind nicht religiös, sie sind nicht christlich, sie sind keine Moslems, keine Buddhisten und Hindus. Sie sind — mit Verlaub gesagt — arme Schweine. Ein Mensch muslimischen Glaubens der auch mal Schweinefleisch isst, ganz undogmatisch, der Christ der auch mal Sonntags ausschläft aber sonst ein guter Kerl ist, sind mir sympathischer als Leute die in allen Lebenslagen meinen, ihren Glauben nur durch das enge Korsett ihrer „Heiligen Schriften“ zu sehen.

 

Beispielsweise Veganismus/Öko etc. Sicher, ich halte es für wichtig, die Umwelt zu schonen. Wie ich ja schon angemerkt habe, bin ich ein Kind der 80er. Damals war das wichtigste Thema das Waldsterben und das Ozonloch. Und gegen Atomkraft. Die 80er haben halt viel hervorgebracht und auch wichtige Impulse gesetzt, mehr als noch die viel geschmähten 68er. So zum Beispiel Autos mit Katalysator, Recycling etc. Sicher ist noch nicht alles gut, wir werden noch an vielen Baustellen arbeiten müssen. Womit ich aber ein Problem habe, sind Menschen, die meinen, aus allem, vor allem der Ernährung, quasi eine Religion zu machen. Und allen meinen Vorschriften machen zu müssen, die sich nicht daran halten.

 

Die Welt wird eben nicht zu einer besseren Welt, wenn wir alle nur asketisch leben. Genau wie sie nicht zu einer besseren Welt wird, wenn wir nur noch in „genderneutraler Sprache“ kommunizieren. Auch wird sie nicht besser, wenn wir alle uns Vorschriften aus „heiligen Büchern“ unterziehen.

 

Und das ist das Fazit, das ich daraus ziehe.