Von Absagen, Arschlöchern und Helikoptereltern

So, heute wird es ein wenig härter.


Hier mal ein Auszug aus einer Absage für eine Stelle, die ich wirklich, wirklich haben wollte, die vom technischen, fachlichen und lokalen Umfeld genau gepasst hätte:


„Sie möchten Sie nicht in Schwierigkeiten bringen, wenn es dann doch nicht passt. 

Man hat Sorge, dass Sie bei diesen schwierigen Kunden untergehen.“


Mal ehrlich. Ich habe in meiner zwanzigjährigen Berufserfahrung genügend Kontakt mit „schwierigen Kunden“ (= Arschlöcher) gehabt. Untergegangen bin ich bei den wenigsten. 


Das Geheimnis ist dabei, diese Leute auflaufen zu lassen, ihnen höflich mitzuteilen, das ihr Anliegen aufgenommen wurde, und es in jedem Fall abgearbeitet wird. Wichtig ist dabei, nicht ausfallend zu werden und ihnen zu zeigen, das sie mit ihrem Problem ernst genommen werden. Wenn dies nicht klappt: Auch eine Eskalation ist kein Beinbruch. Denn die wenigsten sind 24 Stunden Arschlöcher. Die meisten haben einfach nur Druck. Und den lassen sie dann ab. Dann geht man – um im Bild zu bleiben — aus dem Dampf und wartet ab, bis das Gegenüber sich beruhigt hat.


Vor kurzem habe ich eine Reportage über so genannte Helikopter-Eltern in den USA gesehen. Keine Sekunde lassen die ihre mittlerweile 18jährige Tochter aus dem Auge. Mittels modernsten Mitteln, vom GPS-Sender im Auto über Handy-Überwachung usw. 


Und das Mädchen hat überhaupt kein Problem damit. Sie kennt es nicht anders. DIE wird „bei schwierigen Kunden untergehen“. Und zwar mit Pauken und Trompeten. 


Da möchte man den Eltern, wie bei den römischen Kaisern, zurufen: Bedenke, dass ihr sterblich seit. 


Mal ganz ehrlich: Auch diese Eltern werden irgendwann mal alt. Vielleicht auch krank, was man niemandem wünschen will, und pflegebedürftig. Das ist nun mal der Lauf der Dinge, dem sich noch niemand widersetzen kann. Und dann ist dieses – mit Verlaub – unselbstständige Gör auf sich allein gestellt. 


Das wird in den Staaten schon als normal angesehen. Eltern, die ihre Kinder ohne permanente Überwachung erziehen werden da als Rabeneltern gesehen und sogar von den Jugendämtern verfolgt. 

Und da das, was die USA machen in ca. fünf Jahren auch hier kommen wird, sehe ich in zehn Jahren eine Welle von unselbstständigen und verwöhnten jungen Menschen heranwachsen, die sich keinen Konsequenzen stellen wollen und auf berechtigte Kritik mit Trotz und Unverständnis reagieren. 


Überhaupt ist es inzwischen allgemeiner Konsens, das man keinerlei Konsequenzen für sein Verhalten tragen möchte. 


Und um nochmal auf die Absage zu kommen: Eigentlich ist es ein sehr schwaches Bild, das hier von der eigenen Firma gezeichnet wird. Die Aussage ist nämlich: Die Mitarbeiter in dieser Firma sind überwiegend Arschlöcher. Ist das das Bild, was von der Firma gezeichnet wird? Sieht so „Wir sind aus Tradition einfach anders“ – wie die Firma auf ihrer Website titelt — aus?