Was müssen wir eigentlich?

Ist es Ihnen eigentlich schon mal aufgefallen, das wir immer mehr müssen sollen? Gerade im Bereich Ernährung und Gesundheit wird uns immer mehr vorgeschrieben was wir gefälligst zu tun und zu lassen haben sollen. Ratgeber über Ratgeber biedern sich bei den Käufern an. Ich habe dieser Tage einen Ratgeber entdeckt, der mit dem ganzen Heer an Selbstoptimierungsbüchern und den alltäglichen Zwängen ins Gericht geht. 


„Einen Scheiß muss ich!“ so lautet der Titel des von Tommy Jaud in der Manier eines typisch amerikanischen Ratgebers geschriebenen Buches. Er entwickelt einen amerikanischen Durchschnittsmenschen, den er so lebendig beschreibt, das man tatsächlich glaubt er wäre da. Da dieser, Sean Brummel, zum Achtel Deutscher ist, kommt immer auch der Seitenhieb auf die Deutschen. Das Kapitel „Man muss rausgehen, wenn die Sonne scheint!“ ist folgerichtig auch ein speziell für die Deutschen geschriebenes Kapitel. 


Durch zahlreiche Endnoten werden die ganzen Thesen Sean Brummels’ belegt. 


Auch wenn das Buch eher Satire als ernstzunehmender Ratgeber ist, sind einige Punkte, die er anspricht durchaus bedenkenswert. Gerade die über allem stehende Frage: Müssen wir wirklich alles müssen? 


Müssen wir wirklich mehr Sport machen? Mehr gesund ernähren? Sich immer politisch korrekt ausdrücken? DEN perfekten Partner finden und eine Familie gründen? Auf all diese Fragen gibt es für Sean Brummel nur eine Antwort: „Einen Scheiß muss ich!“


Lassen Sie uns mal ein paar der alltäglichen Zwänge, die uns auferlegt werden mal beleuchten:

Mehr Sport

Ich weiss, mein Arzt wäre über diese Aussage nicht glücklich, aber ich bin nun mal ein Sportmuffel. Mein BMI ist sicherlich zu hoch, aber ich fühle mich wohl. Ich schaffe noch jede Treppenstufe und kann auch mal einen Weinberg erklimmen, ohne wie eine Dampfwalze zu wirken. Mein Blutdruck ist derzeit bei jeder Messung unter 120/70, also sehr niedrig. Mein Gewicht ist inzwischen zwischen 85-87 kg und stabil. Ich sehe daher keinen Grund das zu ändern.

Mehr „gesundes“ Essen

Mal ehrlich, es reicht inzwischen den Gesundheitsaposteln nicht mehr, nur vegetarisch zu leben. Das ließe sich ja auch ohne große Mangelerscheinungen machen. Nein, heute muss es „vegan“ sein. Dazu noch die ganzen Dinge, die wir angeblich ja nicht mehr vertragen: Alles muss Lactosefrei, glutenfrei, zuckerfrei, alkoholfrei, geschmacksfrei sein. Dazu kommen noch irgendwelche religiösen Vorschriften. Gut, dass ich mit diesem ganzen Zinnober nichts zu tun habe. 


Ich höre da lieber auf meinen Körper, und wenn der Hunger auf einen Burger habt, gebe ich ihm diesen. 

Den „perfekten“ Partner

Single zu sein ist uncool. Aber man muss „den Richtigen“ finden. So tönt es. Und eine Familie mit mindestens zwei Kindern gründen. Sonst sterben die Deutschen aus. Warum ich derzeit ohne Partner glücklich bin, habe ich hier erläutert. Den „Richtigen“ gibt es meiner Meinung nach nicht. Kompromisse muss man da immer eingehen, auf beiden Seiten. Sonst sucht man ewig und findet den Richtigen am Ende doch nicht. 

Am Wochenende was unternehmen

Ich habe eine Bekannte, die war mit ihrem Mann vor kurzem übers Wochenende bei mir. Allen Ernstes kam sie am Freitag Abend an, das von mir vorbereitete Abendessen wurde mehr oder weniger heruntergeschlungen, denn man wollte sich abends noch mit einem Kunden treffen, der bei Mönchengladbach lebt. Am Samstag waren wir bei Freunden eingeladen, die gerade ein Kind bekommen hatten, und dies feiern. Am Sonntag dann zuerst bei meiner Mutter und dann noch zu einem Bekannten. 


Und solche Aktionen erwartet sie dann jedes Wochenende. Das ist nichts für mich. Ich brauche Zeit, mich zu erholen, und das kann ich am besten auf der Couch. 

Immer politisch korrekt sein

Gut, das ist inzwischen eine Kampfvokabel der Konservativen. Aber mal ehrlich, es gibt immer jemanden, der sich auf den Schlips getreten fühlt. Das haben ja die Piraten am eigenen Leib gemerkt. Aber kommen diese Forderungen nicht zu meist von Leuten, die meinen für andere sprechen zu müssen und im vorauseilenden Gehorsam Formulierungen verbieten wollen? Gut manche Seele ist so empfindsam, das sie schon Kritik als Hass empfindet und am liebsten das Internet verbieten möchte. 


Hier im Blog mache ich das nicht mit. Hier gibt es keine „gendergerechte“ Sprache, kein Binnen-I, noch x oder anderes. 

Raus, wenn die Sonne scheint

So hat man es uns als Kindern eingebleut, sonst ist man ja ein unverbesserlicher Stubenhocker. Ich gebe mal den Grund dafür: Vor der Invasion durch die Kinderschänder, die überall sind, und deswegen man das Kind immer im Auge behalten muss (oh, wie sich das Muss-Monster darüber freut), schickte man die Kinder vor die Tür um selbst ein wenig Zeit für sich zu haben. Um vielleicht mal die Pralinenschachtel zu leeren, oder politisch nicht korrekte Zeitschriften (Sie wissen schon, die, in denen jetzt keine ausgezogenen Frauen zu sehen sind) zu lesen. Oder vielleicht mit dem Partner (oder dem Briefträger) neuen Nachwuchs zu zeugen.

Und zum Schluss: Weniger Alkohol

Klar, ich habe schon ziemlich heftige Spritis gesehen. Leute, die ihr ganzes Leben nur noch nach der Flasche ausrichten. Und Leute, die zwar keine Nachtschicht haben aber am Morgen schon das eine oder andere „Feierabendbier“ intus haben. 


Aber ist das nun der Grund, warum wir alle nur noch asketisch zu leben haben? Gerade Religionen und deren Gläubige bei denen Alkohol bei Gottesstrafe verboten ist, sind zumeist genau so unentspannt, wäre es anders, gäbe es keinen Nahostkonflikt mehr. 

Fazit

Es ist gut, mal die Zwänge mit denen wir uns täglich das Leben schwer machen, zu durchdenken und manchmal zu sagen: Einen Scheiß muss ich! Und dabei kann gleichnamiges Buch der Auslöser sein.