Wer Visionen hat...

... sollte zum Arzt gehen. 


Der Spruch des verstorbenen Alt-Bundeskanzlers Helmut Schmidt ist das deutsche Kredo der Nachkriegszeit. 


Eines aber muss man Helmut Schmidt lassen: Er war kein Machtmensch wie seine Nachfolger, sondern Pragmatiker. Und er konnte Verantwortung übernehmen, auch wenn er Gefahr lief, zurücktreten zu müssen oder gar schlimmeres. Und er war klug genug, sich nicht in Skandale verwickeln zu lassen. Für ihn war Macht nichts weiter als ein Werkzeug, deshalb konnte sie ihn nicht korrumpieren. 


Hätte er die Wiedervereinigung als Kanzler stemmen gemusst, hätte er wahrscheinlich den Ostdeutschen gesagt: "Zieht euch mal selber an den Haaren aus dem Dreck!" Soli und anderes käme nicht in Frage. Und -- die Westdeutschen UND die Ostdeutschen hätten ihn am Ende geliebt. Warum? Weil er keine leeren Versprechungen machte. Das zeichnete ihn aus.


Nur, mit seinem Spruch hat er nicht wirklich recht. Ohne Visionen gibt es keine Zukunft, ohne Zukunft gibt es nur Stillstand, und Stillstand führt immer zu Rückschritt. So sieht unser Land aus: Marode Infrastruktur, die Vorzeige-Branche Automobil lahmt, die Innovation machen andere. Dazu noch Korruption allerorten. 


Schmidt hatte es als Kanzler einfacher, die Krisen seinerzeit, wie Ölkrise, RAF sind im Rückblick leichter zu bewältigen gewesen als Wiedervereinigung und das Prestigeprojekt "EU". Dazu noch die Flüchtlingskrise. Er brauchte keine Visionen, keine Veränderung, er konnte größtenteils noch vom Wirtschaftswunder zehren. Aber er konnte sich zumeist auch gegen Lobbyisten durchsetzen.