Zufriedenheit ist der Feind des Kapitalismus

Ich habe es hier schon mal angedeutet. 


Was wäre, wenn es mehr zufriedene Leute gäbe? Wäre das nicht der Tod des real existierenden Kapitalismus? 


Gut, das wird so nie eintreffen, denn natürlich ist niemand je zufrieden. Eingeredet hat man uns, das man immer das Beste geben muss, im Beruf, ja sogar in der Freizeit. Eingeredet hat man uns auch, das wenn wir viel konsumieren glücklicher werden. Das wir möglichst in ständigem Wettstreit stehen sollen, uns gefälligst gesünder zu ernähren haben, unsere Freizeit nicht mit scheinbar sinnlosen Dingen verbringen, wie ausschlafen, fernsehen, lesen, sondern uns auch da weiterbilden, ständig was unternehmen, Sport treiben und so weiter. 


So ist schon der Wochenplan der 6jährigen Lena-Marie vollgestopft bis zum geht-nicht-mehr: Montags nach der Kita Chinesisch für Anfänger, Dienstag Geigenunterricht, Mittwochs Kindertennis, Donnerstags Englisch Aufbau (denn das Angebot der Kita ist nicht ausreichend), Freitags Yoga mit der Mama. Samstags und Sonntags werden dann auch noch angefüllt mit Aktivitäten, damit man die Qualitätszeit mal so richtig ausnutzt. 


Japanische Kinder werden auch so erzogen. Kein Wunder das die Selbstmordrate unter japanischen Jugendlichen so hoch ist. 


Die sozialen Medien tröten es ja ständig, was wir alles verpassen, wenn wir nicht auf die Vernissage des angesagten Künstlers gehen oder auf dieses oder jenes Konzert. Dazu kommen noch die Seminare und Veranstaltungen die ja so wichtig für die Karriere sind. 


Perfiderweise ist die Industrie ja in letzter Zeit nicht nur dort aktiv, den einzelnen immer mehr zu beschäftigen, sondern die neue Masche heißt Entschleunigung. Nun, man hat zwar festgestellt, das es für die Kasse gut ist, die Menschen nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen, das dies aber nur dazu führt, das immer mehr Leute sich bewusst abwenden. Der Manager, der alles hingeschmissen hat um zufrieden als Strassenkehrer in Rom zu leben, beispielsweise. Und auch die Entschleunigung dient in erster Linie dazu, etwas zu verkaufen. Slow Food zum Beispiel. Whiskey Seminare. Kochboxen für all diejenigen, die im täglichen Stress nicht gelernt haben zu kochen. 


Versteht mich nicht falsch. Es ist gut, wenn man genießen wieder lernt. Und auch kochen sollte zu den Grundkenntnissen der Menschen gehören. Aber ist dies nicht der zweite Schritt vor dem ersten?


Der erste Schritt ist meiner Ansicht nach zu erkennen und sich eingestehen, das man unzufrieden ist. Danach, warum man unzufrieden ist. Und erst danach kann man weitergehende Massnahmen einleiten. 


Was macht einen zufrieden? Ich vermeide hier die Vokabel „glücklich“, weil glücklich ein zeitlich sehr begrenzter Zustand ist. Glücklich bin ich beispielsweise, wenn ich an einem schönen Sommermorgen aufwache, die Sonnenstahlen scheinen durch das Rollo und die Vögel zwitschern. Das hält dann an, bis mein Verstand wieder wach ist und mir dazwischen grätscht. 


Zufrieden macht mich zum Beispiel, ein schwieriges Stück fehlerfrei auf der Orgel zu spielen. Zufrieden bin ich, wenn ich mich nach einem Arbeitstag auf meiner Couch hinlegen kann, den Tag noch einmal bei einem Glas Wein Revue passieren lasse und feststellen muss, das ich Erfolgserlebnisse habe. 


Vielleicht mag der ein oder andere Leser es festgestellt haben, das ich nicht mehr so viel programmiere, sondern eher musiziere, über die Dinge nachdenke und philosophiere und davon schreibe. Davon handelt mein Blog das ganze Jahr 2015 über. 


Zufrieden machen mich die Erfolgserlebnisse meiner musikalischen Entwicklung dieses Jahr, und ich teile davon gerne. Die Musik und vor allem die Orgel ist meine Leidenschaft. 


Ich teile meine Erfahrung gerne. Wollen Sie auch zufriedener werden? Dann schauen Sie mal her. Ich zeige Ihnen in einfachen Schritten, wie Sie erkennen, ob Sie unzufrieden sind, und wenn ja, weshalb. Dann werfen wir Ballast ab. Was oder auch Wer belastet Sie? Ihr Job? Die Kollegen? Ihr Partner? Bekannte und Verwandte? Ihr Facebook Netzwerk? Sagen Sie immer „Ja“, wenn Sie „Nein“ meinen? Kenne ich alles, so war, und bin ich auch noch. 


Wo haben Sie Erfolgserlebnisse? Im Beruf? Glückwunsch! Doch die meisten müssen zugeben, das Erfolgserlebnisse im Job eher die Seltenheit sind. Meistens haben Sie noch nicht einmal Erfolgserlebnisse in ihrer Freizeit. 


Aber genau diese Erfolgserlebnisse sind es, die Ihnen zeigen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind. Sie sind der Schlüssel zur Zufriedenheit. 

Und das bringt uns zum nächsten und wichtigsten Schritt: Herausfinden, wofür Sie Leidenschaft entwickeln. Was können Sie besonders gut?


Bei mir hat es fast 43 Jahre gebraucht um das herauszufinden. Und es ist ein laufender Prozess. 


Der vierte und letzte Schritt ist: Wie sollen Sie das umsetzen? Finden wir es heraus.