Quo Vadis E-Orgel

… so titelt ein Special in der „Okey!“, der Zeitschrift für Orgel, Keyboard und Digitalpiano.

 

Dort ist vieles gesagt, was ich auch beobachtet habe, und eigentlich recht schade ist. Schließlich ist die Orgel nicht zu Unrecht als die „Königin der Instrumente“ bekannt. 


Denn die Orgel bietet spielerisch mehr Möglichkeiten als ein Keyboard, wie ich hier schon herausgestellt habe. 

 

Um den Leitartikel mal zusammenzufassen: Die Krise der Orgel ist an vielen Stellen hausgemacht. Einmal von den Herstellern, die sich immer mehr zurückziehen beziehungsweise ausschließlich Preise über 10.000 Euro aufrufen, Lustlosigkeit der Verkäufer, die kaum ein Interesse haben, eine vernünftige Promotion der Orgel zu betreiben und auch wenig bis gar keinen Raum dafür bieten, Interessenverlagerung der Jugendlichen, die nur wenig Musik machen als Hobby kennen. 

 

Das inzwischen eine Abkehr von a-melodiöser Musik wie Rap und Hip Hop im Gange ist, zeigt ja unter anderem der Erfolg von Helene Fischer. Auch wenn diese eher die klassische Schlagerwelt bedient, ist sie ja omnipräsent und ihr Lied „Atemlos“ wurde ja auch von jüngeren gekauft.

Das Interesse ist ja da, wie auf der „Hanse Life“ in Bremen gesehen, wo Orgel Reiser ausstellte, und explizit Schüler die dort ausgestellten Orgeln ausprobierten. Gerade auch im asiatischen Raum sind die Orgeln von Yamaha und Ringway, die beide eigene Wettbewerbe für Schüler und junge Spieler anbieten und größere Festivals abhalten, so wie schon Schüler in der Grundschule damit abholen. Dort ist die Orgel „cool“.

Hier könnte so ein Multiplikator zum Beispiel das „Tastenzentrum“ in Halsenbach sein. Könnte — denn leider ist man trotz Facebook- und eigener Webseite sehr ruhig. In einer Zeit, wo jeder fast jedes Ereignis direkt in die sozialen Medien einstellt ist das schade. Auch sollte die Webseite an vielen Punkten etwas informativer sein. Technische Daten, beschreibende Texte, selbst wenn sie von Hersteller übernommen und übersetzt werden, fehlen. Auch wird die Webseite sehr teilweise sehr langsam aufgebaut und kommt oft auch fehlerhaft daher. Hier ist dringender Handlungsbedarf. 

 

Die Denkweise, das Internet sei nur eine kurze Mode, die schnell vergeht mag so gerade noch im Jahr 1995 vertretbar gewesen sein. Im Jahr 2015 ist es eine Bankrotterklärung. Vor allem, wenn man jüngere Menschen erreichen möchte. 

 

Vor allem hat das Tastenzentrum ja auch einen Konzertsaal, in dem natürlich auch Festivals und Wettbewerbe mit den Schulen vor Ort gestaltet werden können. 

 

Zusätzlich zu dem Artikel wurden die Vorstände der beiden großen Musikschulen, die noch Unterricht für die E-Orgel anbieten interviewt. 

Hier wurde zumindest einmal das größte Problem, der Preis, angesprochen: Es gibt zu wenige Orgeln in der Preisklasse unter 10.000 EUR. Wenn man mal die größten deutschen Orgelbauer so anschaut: Dr. Böhm: Sämtliche zweimanualigen Orgeln in der Preisklasse über 12.000 EUR und höher. Wersi, das gleiche: hier sticht nur die Verona hervor, die aber im Abverkauf ist und 9.999 EUR kosten soll. Gut Wersi bietet mit dem Pegasus Wing 2.0 ein Keyboard, das man zu einer vollwertigen zweimanualigen Orgel ausbauen kann, Komplettpreis mit zwei Manualen, Basspedal, Schwellerpedal und Lautsprecher beim Musicstore: 5600 EUR. Derzeit bis Ende Januar mit 3 Soundpacks. 

 

Ansonsten: Orla bietet jetzt neu nur noch die RS 600, das Folgemodell GS 1000 kommt gar nicht erst, und das kleine Modell RS 480 wurde bereits abgekündigt, zumindest ist auf der Webseite von Orla unter „Home Organs“ nur noch die RS 600 zu finden. Schade! 

 

Lowrey, zumindest noch unter den bekannteren Herstellern, ist auch preislich nicht so berühmt, auch hier geht es kaum unter 10.000 EUR los. Diese sind zumindest von den Rhythmen (Styles) auch nicht so erweiterbar. 

 

Roland hat mit der Atelier Serie noch gute Orgeln, und auch gute Einsteigermodelle im Programm, doch sehr wenige Händler führen sie. Und erweiterbar sind sie auch nicht. 

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, das nur Wersi ein einigermaßen gutes Angebot hat, das sich sogar aufrüsten lässt.

 

Ich würde mir ein einfaches Einsteigermodell wünschen, Größe ähnlich wie die RS 600, aber mit einem kleinen Touchscreen sowie Zugriegeln, das um die 3000 - 4000 EUR kostet, sich aber einfach aufrüsten lässt, z. B. mit mehr Voices und Styles. So kann es mitwachsen. Das es geht, zeigen ja die namhaften Keyboards, die alle erweiterbar sind. Und die auch alle einen MP3- oder WAV-Recorder mit an Bord haben. 

 

Das man Orgeln preiswert bauen kann zeigen ja auch die Kirchenorgelbauer. Dort wird ein zweimanualiger Spieltisch und Pedal mit Elektronik (PC und Soundsystem) und Software (Hauptwerk - DIE Marke bei digitalen Kirchenorgeln) für 3.750 EUR angeboten. Technisch sind die meisten E-Orgeln nichts anderes. Die von Wersi tarnen ihr Windows 7 und 8 gar nicht erst, und die eigentliche Software ist eine Applikation die auf Windows 7 bzw. Windows 8 läuft. 

 

Natürlich: Orgeln, wie die Sonic, sind auf dem höchsten Niveau. Die verdienen auch den Preis. Frage ist aber, kann man ein Modell wie die Verona nicht in einem einfachen Gehäuse wie die RS 600 einbauen mit vergleichsweise einfacherer Lautsprecherausstattung, aber trotzdem aufrüstbar in Sachen Voices und Styles und das dann Sonic 100 oder 250 nennen? Und dafür dann 3000 - 7000 EUR verlangen? 

 

Die RS 600, so wurde mir gesagt, verkaufte sich 11 mal in der Woche. Das ist für eine Orgel schon sehr viel. Bei 6000 EUR (aktueller Preis) ist das 66000 EUR in der Woche. Und das sind schon mal Zahlen, die durchaus vielversprechend sind.