Test: Roland Atelier 350c

Ich weiß, ich bin sehr Roland-Lastig geworden. Aber seitdem Yamaha sich in Europa komplett aus dem Orgelmarkt zurückgezogen hat, Orla nur noch mehr schlecht als recht die Orgel supportet, und Wersi und Dr. Böhm (Keyswerk) in Preislagen jenseits von gut und böse agieren, bleibt nur noch Roland.


Mit der Atelier-Serie hat Roland einige hervorragende Orgeln im Programm. Und mit der AT-350c ist eine so genannte Combo-Orgel dabei. Wie alle Combo-Orgeln geht es hier vor allem um Mobilität, so fehlen interne Lautsprecher, sowie Ständer und Pedale. Diese muss man sich dazu kaufen. Von Roland werden derzeit zwei angeboten: PK9 mit zwanzig so genannten Stummelpedalen sowie PK25 die 25 Vollpedale mitbringt. Bei beiden ist auch ein Expression-Pedal (Schweller) dabei mit zwei programmierbaren Fußschaltern.

 

Als Ständer bietet Roland zwar welche an, die auch stylisch aussehen, aber eigentlich tut es hier jeder Keyboard-Ständer der mindestens 30 kg trägt. Die AT-350c wiegt allerdings nur 25 kg. Sicher ist aber sicher. 

 

Bei den Lautsprechern tut es schon ein Keyboard-Verstärker, oder zwei für den Stereo-Effekt. Anschluss über 6,3mm Klinke. Neben den Hauptausgängen bietet die AT-350c auch zusätzliche Ausgänge für z.B. Monitore. 

 

Daneben hat die Orgel MIDI Aus- und Eingang sowie lässt sie sich direkt über USB an einen Computer anschließen. 

 

Nun einmal die Pluspunkte dieser Orgel: 

 

Erst einmal die Vintage-Orgel-Sektion mit echten (!) Zugriegeln. Jeweils neun-chörig für das Ober- und Untermanual. Dazu zwei Zugriegel für das Pedal (16“ und 8“). Eine hervorragende Leslie-Simulation. Dazu darf natürlich auch die typische Percussion mit 4“ und 2“ nicht fehlen. Alles in Allem ist das schon ein Grund für diese Orgel. 

 

Dazu bietet sie 243 Klänge aus dem Orchestralen Bereich sowie Pfeifenorgeln, Theaterorgel und einige Presetklänge der Hammondorgel an. Darin enthalten sind 15 so genannter Supernatural-Klänge und 8 Active-Expression Klänge. Enthalten sind hier auch Klänge, wie die Er hu, ein Chinesisches Saiteninstrument. 

 

Die Rhythmus- und Style-Sektion ist mit 210 Styles vertreten, aus so ziemlich allen Stilen und Rhythmen. Dazu kann man sie mit 99 Styles erweitern, wobei diese auch direkt vom USB-Stick geladen werden können. Die Styles vom BK-7m sind kompatibel dazu. Hier sind auch Styles für deutschen Schlager vorhanden. 

 

Ein weiteres Highlight ist die Möglichkeit direkte Audioaufnahmen auf den USB-Stick im WAV-Format zu machen. 

Natürlich sind auch für die heutige Zeit Selbstverständlichkeiten mit an Bord, wie die Solo-Stimme auf das Untermanual zu splitten, der Transposer oder das Oktavieren. 

 

Wo Licht ist, ist bekanntermaßen auch Schatten. So ist die Anschlagsdynamik immer auf der höchsten Stufe eingestellt, und wird auch nicht abgespeichert, nur in den Registrierungen. Nach einer Audio-Aufnahme wird das Rhythmustempo immer auf 120 bpm gesetzt. Und man kann — zumindest bei den Rhythmen nicht in Ordnern navigieren.

 

Klar das ist Jammern auf dem höchsten Niveau.  

 

Roland bietet auf seiner Website ein kostenloses Update auf die Version 2.00 an. Das Update ist relativ schnell geschehen, wer es noch nicht hat. 

 

Neben einer besseren Navigation in den Klängen bietet das Update vor allen ein paar mehr Styles, das Utilities-Menü ist besser aufgeräumt und vor allem wesentlich mehr Parameter für die Virtuelle Orgel und das Leslie. Alles in allem sollte man es machen, wenn man noch eine ältere AT-350c hat. 

 

Fazit: Für 3.600 € bzw. 4.600 € inklusive Pedal bekommt man viel Orgel fürs Geld. Die AT-350c ist vermute ich mal als direkte Konkurrenz zur Stagea-D-Deck von Yamaha konzipiert mit der Maßgabe eine echte Atelier-Orgel zu sein. Die Virtuelle (Hammond-)Orgel mit ihren echten Zugriegeln, das kompakte Design, die Erweiterbarkeit und die vielseitigen Klänge und Styles machen diese Orgel zu einem idealen Begleiter für Auftritte oder zu Hause. 

 

P.S. Leider, leider habe ich erfahren, das Roland die Produktion seiner Atelier-Serie eingestellt hat.