Orla / Ringway RS 1000 E

Ich muss sagen, ich habe Orla unterschätzt. Irgendwie hatte ich die nicht mehr so ganz mit neuen Orgeln im Visier, schliesslich haben die die RS 480 EU als Einstiegsmodell gecancelt. Blieb also nur die RS 600 EU, die eine sehr gute Orgel ist. Nun hat Orla, Orla UK und Ringway nachgelegt und das Ringway Spitzenmodell nach Europa geholt. Und ich durfte sie voriges Wochenende nicht nur sehen und hören, sondern auch mal selbst spielen.


Die RS 1000 gibt es auf dem Chinesischen Markt seit 2014, und während die Anpassungen, die Orla auf dem Europäischen Markt getan hat, bei den bisherigen Modellen ein neues Sound- und Styleboard, und ansonsten kosmetische Änderungen waren, wurde bei der RS 1000 E das ganz große Fass aufgemacht.

 

Zunächst aber mal zu den generellen technischen Daten. Die RS 1000 kommt in weiß daher, generell kann man sagen das man hier Design-Anleihen an den Großen der Orgelbranche genommen hat. Trotzdem wirkt die RS 1000 E frisch, was auch durch das Design des Bedienendes in Weiß und Rot liegt. Dazu kommt eine ans Design angepasste Sitzbank. 

 

Die RS 1000 E hat ein 5“ großes Display, nicht als Touch screen, was dem Mitteleuropäer mit Wurstfingern ja entgegenkommt. Die Bedienung wird, ähnlich wie beim Yamaha Tyros, über an den Seiten und am unteren Rand angebrachte Knöpfe durchgeführt. Die Bedienung wird dadurch sehr vereinfacht. 

 

Noch ein Anleihen von Yamaha: das zweite Expression-Pedal, das beliebig als Pitch oder Modulationspedal zu nutzen ist. Hier ist ein kleiner Wermutstropfen gerade für Europäer, denn die beiden Expressionspedale sind sehr hoch, das man mit der mitgelieferten Bank sich gerne mal das Knie unter dem Spieltisch anstößt. 

 

Die zwei Manuale mit je 61 Tasten kommt in Europa von Fatar, DEM Qualitätshersteller bei dem fast alle hochwertigen Tasteninstrumente ihre Manuale beziehen. Den Unterschied konnte ich zwischen RS 600 und RS 1000 E antesten und er ist gewaltig! Neben der standardmäßigen Anschlagsdynamik besitzt die RS 1000 auch After-Touch. 

 

Die Pedale, 25 an der Zahl, sind nicht wie bei anderen Orgeln als Vollpedal, sondern als Stummelpedal ausgeprägt. Dadurch ist die RS 1000 E immer noch sehr kompakt. 

 

Wie schon bei den anderen Modellen der RS-Serie besitzt auch die Orla RS 1000 E eine Abdeckung, die bei Gebrauch der Orgel auch ein großer Notenständer ist. 4 bis 8 DIN-A4-Seiten finden dort bequem Platz. Die Abdeckung der RS 1000 E ist zudem hydraulisch, so klappt sie langsam zu, und man kann sie nicht zufallen lassen. Nette Spielerei ohne viel Wert, aber schön das man hier Sinn fürs Detail besitzt. 

 

Das Bedienfeld wurde im Gegensatz zu dem chinesischen Original vereinheitlicht. Das ist auch nötig, denn am oberen Bedienfeld wurden noch zwei Hochtöner eingesetzt, die den Sound des insgesamt 190 Watt starken Verstärkers noch runder machen. Das Bedienfeld wird — im Vergleich mit der Original version der RS 1000 — aufgeräumter und stimmiger. 

 

Für jede Sound-Sektion gibt es einen eigenen Bereich, zwei mal polyphonisch für das Obermanual, zwei mal für das untere Manual, und zwei (!) Solo-Stimmen, die man sowohl für das Obermanual als auch als Split für das untere Manual nutzen kann. 

 

Es gibt 442 Voices, davon 44 zusätzliche Theater Orgeln und 40 Akkordeons, passend, da Orla als Akkordeon-Bauer gestartet ist. 

 

Viele der Voices wurden neu gesampelt, um gerade auch den neuen After-Touch Möglichkeiten gerecht zu werden. 

 

Wie auch bei den Vorgängermodellen läßt sich jeder Sound umfassend ändern. 

 

Was auch für die 350 Styles gilt. Vieles kommt einem als RS 600 Spieler bekannt vor, aber die Styles wurden auf 7 Begleitparts erweitert (vorher nur 5) und teilweise neu eingespielt. Und die kann man jetzt umfassend anpassen und uminstrumentieren. 

 

Zu den normalen Effekten wie Hall und Chorus gesellt sich ein neuer Effekt-Prozessor, der zusätzlich noch Verzerrung, Tremolo, Rotary (!) und einen digitalen Equalizer und weitere Effekte bietet. 

 

4 Multipads können mit beliebigen Soundschnipseln belegt werden, aber auch kurze gespielte Elemente. 

 

Ein Joystick für Pitch und Modulation ist ja heute schon Standard. 

 

Endlich ist auch ein Audio-Recorder an Bord, welchen ich mir schon für die RS 600 gewünscht hätte. 

 

Bei den Anschlüssen gibt es zum Schluss auch einiges neues. Neben den schon bei der RS 600 vorhandenen Anschlüssen für Midi in und out, zwei Kopfhörer, zwei Input mit Regler, und zwei Output (nach Stereokanal getrennt) und USB für den USB-Stick gibt es jetzt auch einen USB Host Anschluss zum Anschluss der Orgel an einen Computer als auch Ethernet (!). Gerade letzteres macht mich neugierig, ob Orla (den Anschluss gibt es nur in der Europäischen Version) hier einigermaßen regelmäßig neue Updates anbietet, oder wofür dieser Anschluss benötigt wird. 

Die General Presets wurden wieder von Paul Carman einprogrammiert, was eine hohe Qualität garantiert. In dieser Playlist kann man schon einen guten Eindruck vom Klang gewinnen. 

 

Die Orgel, wie auch die Bemore Genesis und Lowrey Marquee kann man noch bis zum 4 September in den Metropolen NRWs bewundern, Termine gibts hier.

 

So zum Schluss noch einmal ein Wort zum Preis. Das Instrument gibt es jetzt zum Einführungspreis von 10.990 EUR, später einmal dann 12.990 EUR. Auch wenn ich sicher bin, das die Orgel jeden Cent wert ist, muss man hier aber auch ganz klar sagen: hier ist ein Gerät von der Stange. Eine Orgel aus Massenfertigung. Dazu gilt: Trotz Brexit kann man die Orgel noch in den UK erwerben für 6490 GBP, was umgerechnet ca. 7500 EUR entspricht. 

 

Fazit: Ein schönes Teil, und wer Orlas warmen Orgelsound und die schön orchestrierten Styles mag, wird die RS 1000 E lieben. Ist nur nicht ganz billig. Aber wer beim Tastenzentrum eine Orgel kauft, kann sie innerhalb von zwei Jahren gegen den Kaufpreis zurückgeben und bezahlt nur den Aufpreis.