RS 1000 - Ein näherer Blick auf das neue Flagschiff von Orla

So, hier ist sie, die RS 1000 E, das neue Spitzenmodell von Orla. Und wahrhaftig gibt es viele Verbesserungen, die ich bislang noch nicht alle kennen gelernt habe. 

Das Äußere

Ringway und Orla haben nicht gekleckert sondern geklotzt. 80 Kilo bringt die Orgel auf die Waage, die Bank nochmal fast 16 Kilo. Während man die RS 600 noch zerlegen konnte, kommt die RS 1000 als ganzer Block. Einen großen Anteil am Gewicht hat der eingebaute Bass-Lautsprecher. Auch wenn es sich hierbei wieder um eine Orgel aus Chinesischer Fertigung  handelt, ist die Verarbeitungsqualität hervorragend — leider bis man Pedal spielt. Die Pedale knarzen sehr stark, bei normaler Einstellung der Lautstärke lauter als die Bassstimme. Sonst ist die Verarbeitung top.

 

Das Gehäuse in Hochglanz - Weiß und Rot. Die Seitenwangen sind geschwungen, und so wirkt die massive Orgel trotz allem leicht und frisch. Nur in kleineren Räumen ist sie halt etwas wuchtiger als die RS 600 oder auch die AT 350 C. Sie ist aber eher in die Höhe gebaut, Tiefe und Breite ist ok. 

Die Abdeckung lässt sich als großer Notenständer gebrauchen und bietet bis zu acht DIN A 4 Seiten Platz, genug auch für große Partituren ohne umzublättern. 

 

Da die Abdeckung durchsichtig ist, kann man auf der Bühne den Organisten sehen und es schützt auch schon davor, mit Torten oder faulem Gemüse beworfen zu werden… 

 

Die Tastaturen mit je 61 Tasten kommen von Fatar, dem italienischen Hersteller von Tastaturen der auch schon Wersi beliefert. Diese sind sowohl anschlagsdynamisch und bieten After-Touch, was bei einigen Nicht-Piano-Stimmen schon viel bringt, dazu später mehr. 

 

25 anschlagsdynamische Pedale, belegbar mit zwei Stimmen gibt es. Diese sind in „Stummel-Ausführung“, nicht als Vollpedal. Das macht das Instrument kompakt. 

 

An Anschlüssen gibt es: zwei Kopfhöreranschlüsse, einen Line-out, einen Line-in und einen Mikrofonanschluss. Alle diese Anschlüsse sind in 6,3 Klinke. Daneben USB-Host, Ethernet und Midi-in und Midi-out. Der Mikrofoneingang kann mit einem separaten Lautstärkeregler eingestellt werden. 

 

Die Bedienung

Schalten wir sie doch mal erst ein. Die Orgel braucht länger als die RS 600 und die AT 350C zum Start, bedingt durch ein anderes Betriebssystem. Die Chinesen haben das aber sehr gut im Griff.

 

Die Bedienung erfolgt über Tasten und den Tasten an den Seiten und an der Fußseite des Bildschirms, und ist sehr durchgängig und ähnlich wie beim Yamaha Tyros. Wie schon bei der RS 600 wählt man eine Kategorie aus und die Voices, bzw. Styles wählt man danach. Dabei ist der große Bildschirm von Vorteil, denn man kann alle Voice-Belegung der Manuale, der zwei Lead-Voices und der beiden Pedal Voices auf einen Blick sehen. 

 

Die Voices und die Styles lassen sich durchgehend verändern. Um in den jeweiligen Editor zu kommen, drückt man die leuchtende Kategorietaste einfach zweimal und landet im Editor. Wie schon bei den älteren Modellen lassen sich zahlreiche Parameter einstellen, angefangen von der Lautstärke, Oktavierung, bis hin zur Hüllkurve. so hat man im Nu aus den 425 Voices unendlich viele gemacht. Gleiches gilt nun auch für die Styles. Man kann jedem Part des Styles andere Instrumente zuordnen. 

 

Auch wenn es bei der RS 1000 E eine dicke Bedienungsanleitung gibt, benötigt man die eher selten. Dazu ist die Bedienung einfach. Wenn man schon, wie ich, eine RS 600 hatte, kommt man auch mit der RS 1000 E relativ schnell zurecht. 

Die Voices

Man hat bei der RS 1000 E mehr Speicherplatz für die Samples der einzelnen Instrumente, und das hat man genutzt, um längere und höher aufgelöste Samples einzuspielen. Viele ältere Voices klingen einfach echter. Streicher, die hervorragende Panflöte und Trompete, viele Orgel-Stimmen, die nun nach Hammond und Co. klingen. 

 

Bei den Orgelstimmen, z. B. den Flute-Stimmen, kann man nun durch den Anschlag den Leslie einstellen. Sanft gespielt, und der Leslie ist langsam. Normaler bis härterer Anschlag: Der Leslie dreht auf. 

 

Einige Stimmen bieten auch Portamento, das heißt, wenn man eine Taste gedrückt läßt während man schon die nächste spielt geht der Klang nahtlos in den neuen Klang über. 

 

Auch sind viele neue Stimmen dabei. Beispielsweise das Circus-Sax. Oder die neuen Streicher, die der RS 600 klangen gerade in höheren Lagen etwas dünn. Auf der RS 1000 E kommen sie wuchtig und klar daher, ob man nun im Stil von James Last oder Mantovani spielt. 

 

Neue Theaterorgelklänge und als neue Kategorie Akkordeons runden das Angebot ab. 

Die Styles

Von den verbesserten Voices allein profitieren die Styles schon. Gerade die älteren, schon aus den Zeiten der Orla Grande Theatre oder Theatre Compact bekannten Styles klingen voluminöser. Das liegt nicht nur an den neuen Samples, sondern auch an der Tatsache, das die Styles von fünf Parts auf sieben Parts aufgebohrt wurden. 

 

Natürlich gibt es auch eine Reihe neuer Styles, die alle melodisch aber nicht überladen klingen. Jeder Part kann nun im Editor in seiner Lautstärke bearbeitet, sowie eine andere Voice oder ein anderes Drumset zugewiesen werden. Damit kann dann aus einem Rock’n’Roll auch ein Latin Stück werden. 

Sonstige Features und Spielhilfen

Neu ist auch der neue Effektprozessor, mit dessen Hilfe echt klingende E-Gitarren gespielt werden können. Aber auch Tremolo, Hall und Chorus. 

 

Aus der RS 600 bekannte Spielhilfen wie M.O.C. (Melody on Chord), Auto Accompaniment, AutoBass mit gegriffenen Akkorden, aber auch die Einstellung mit Akkorden und separat gespieltem Bass ist vorhanden. 

 

Neben Midi-Files können jetzt auch WAV-Audio-Dateien aufgenommen werden. Ein Feature, das ich mir schon für die RS 600 gewünscht hätte. 

 

Der Verstärker mit 180 Watt läßt sich hören. An vielen Stellen kann man eine separate PA sparen. 

 

Es gibt vier Pads, die beliebig mit MP3s und Wav-Samples gefüllt werden können. 

Kritik und Fazit

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten, und damit soll auch nicht hinter dem Berg gehalten werden. Neben den knarzenden Pedalen ist es mir auch schon einmal gelungen, das System der Orgel soweit abstürzen zu lassen, das nur noch ein schwarzer Bildschirm mit blinkendem Cursor zu sehen war. Gut, da hilft ein Neustart. Allerdings ist es natürlich sehr ärgerlich, wenn ich an Registrierungen arbeite, und die dann weg sind. 

 

Apropos Registrierungen: Wenn man in z.B. Bank C eine Registrierung auf die Bank A kopieren will, wird beim Umschalten auf Bank A diese wieder in den Anfangszustand versetzt. Wenn man mehrere kopieren will, kommt das dann nicht gut.

 

Ausserdem wird der Master-Transpose nicht in der Registrierung gespeichert, das ist zwar ärgerlich, aber das war schon auf der RS 600 so. 

 

Mein Fazit: Eine gute Orgel mit schönem warmen Ton, einfacher Bedienung, Bildschirm und vielen Extras. Nervig sind die Kinderkrankheiten, die hoffentlich durch Updates demnächst behoben werden.