Hammond mit der RS 1000 E

Ein großer Teil des Erfolges der Hammondorgel in der Jazz und Unterhaltungsmusik war und ist immer noch der Zugriegel-Sound. Die Möglichkeit, nahezu unendliche Kombinationen mit neun Zugriegeln zu erzeugen war geradezu legendär.


Während die älteren Modelle von Orla noch Zugriegel oder englisch: Drawbars boten, haben die Orgeln von Ringway keine mehr. Dies ist zwar schade aber eigentlich einfach zu beheben, wenn man die Mechanik versteht, und keine Angst vor ein bisschen Theorie hat. 

 

Also die Theorie zuerst. Ursprünglich sollte die Hammondorgel als kleine Kirchenorgel oder für Organisten, die zu Hause üben wollten, dienen. Da die Tonerzeugung in diesen Tagen mechanisch über Tonräder funktionierte, konnte Hammond nicht das gesamte Spektrum einer großen Kirchenorgel einfangen. Daher beschränkte er sich auf die neun Zugriegel. Die Bezeichnung der einzelnen Zugriegel folgt aus den Längen der entsprechenden Pfeifen in Zoll. 

 

Hier gibt es 16’, 5 1/3’, 8’, 4’, 2 2/3’, 2’, 1 3/5’, 1 1/3’ und 1’. Fangen wir mit den geraden ungebrochenen Längen an. Wichtigste Pfeifenlänge ist hier 8’. Noch tiefere Theorie: Wenn Sie normalerweise auf einem Instrument ein normales „A“ spielen wird der Ton mit  440 Hz erzeugt.

 

Dies ist der Ausgangston eines jeden Instrumentes der westlichen Hemisphere. Das „C“ unterhalb dieses so genannten Kammertons ist das mittlere C. Und die Pfeife in der Kirchenorgel für diesen Ton ist exakt 8 Zoll lang. Das heißt wenn Sie auf einer Orgel mit herausgezogenen Zugriegel 8’ das C spielen entspricht dies auch der Taste und ein „A“ wird mit 440 Hz wiedergegeben. 

 

Wenn Sie die 8’ Pfeife halbieren, also eine 4’ Pfeife erzeugen, entspricht der Ton dem „C“, aber eine Oktave höher. Weiter halbiert ergibt sich 2’, und wieder ergibt sich ein um eine Oktave erhöhtes „C“. Gleiches gilt für 1’. Preisfrage: Was ergibt sich bei 16’? Natürlich wieder ein „C“ — aber diesmal um eine Oktave vermindert. 

 

Die RS Serie von Orla bringt drei Sounds mit, 16’+8’, 16’ + 4’, 16’ + 2’. Damit läßt sich schon etwas anfangen. Jeder Sound kann beliebig verändert werden, unter anderem um eine Oktave erhöht und vermindert werden. Wenn Sie jetzt zum Beispiel den 16’ + 8’ um eine Oktave erhöhen, ergibt sich 8’ + 4’. Noch eine Oktave, und Sie haben 4’+2’. Höher geht es leider nicht. 

 

Damit haben Sie schon mal eine größere Vielfalt. Nun kommen wir zu den gebrochenen Pfeifen. Diese sind sozusagen das Salz in der Suppe. Sie lassen den Ton reichhaltiger oder wenn gewünscht auch aggressiver klingen. Die folgende Aufstellung ertönt wenn Sie die Taste für das „C“ drücken. 5 1/3’ Zoll entspricht hierbei dem „G“ unterhalb vom Kammerton „A“. 2 2/3’ entspricht dem „G“ eine Oktave höher und schließlich 1 1/3 entspricht dem „G“ wieder eine Oktave höher. 1 3/5’ entspricht dem „E“ zwei Oktaven höher. 

 

Wenn Sie nun auf Ihrer Ringway RS 1000 E den 16’+8’ Sound nehmen und erst mal eine Oktave erhöhen, ergibt sich wie wir ja schon wissen ein 8’ + 4’ Sound. Jeden Sound können Sie noch einzeln transponieren. Und das machen wir jetzt. Zählen Sie auf den Tasten bis hoch zum „G“. Dazu schließen Sie die Halbtöne ein. Dies macht sieben Halbtonschritte, die Sie nach oben gehen.  Wenn Sie dies machen, erhalten Sie den 5 1/3’ + 2 2/3’ Sound. Dazu nehmen Sie den 16’ + 8’ und schon klingt der Sound viel reichhaltiger und interessanter, richtig? 

 

Dies können Sie als Ausgangspunkt für eigene Experimente nutzen. Noch ein letzter Tipp für den 1 3/5’ Sound: Nutzen Sie als Ausgangspunkt dafür einen von den Lower-Sounds, erhöhen diesen um eine Oktave und transponieren ihn um 3 Halbtöne nach oben. Diese haben keinen 16’ im Klangbild. Da die Begleitung normalerweise immer eine Oktave tiefer gespielt wird, klingt der 16’ Sound nicht gut.