Mehr zur Böhm SEMPRA

Nun habe ich mich entschieden, dank ORGEL-REISER, die mir eine gute Entscheidungshilfe geleistet haben: Seit Montag steht eine Böhm SEMPRA SE 20 bei mir. Als Keyboard-Version, damit ich sie auch mal mitnehmen und auftreten kann. Ganz begraben habe ich diesen Traum nicht.

 

Videos kommen natürlich noch. 


Um Ihnen die Spannung zu erhalten, fange ich mal mit dem Keyboardständer an. Der Ständer kommt von K&M und ist in Form eines Tisches aufgebaut. Der Tisch ist aus schwarzem Eisen und kann auch Keyboards, Orgeln oder Digitalpianos bis 80 kg vertragen. Die SEMPRA SE20 (nur das Oberteil) wiegt normalerweise 25 kg. Meine ist eine umgebaute Overture Stage ohne gewichtete Manuale, daher wiegt sie nur 20 kg. Also kann man getrost auch in die Tasten hauen, ohne das der Ständer kippt oder wackelt. Bei der Roland hatte ich einen X-Ständer, und der hat manchmal gekippelt. 

 

Sowohl Lautsprecher als auch Bank hatte ich bereits von der Roland AT 350C.

 

So, kommen wir nun endlich (!) zum Hauptdarsteller: der SEMPRA SE 20. Wie schon erwähnt ist es ein Umbau einer Overture Stage, was man aber nur noch am Rückenblech erkennt, denn dort prangt noch die Aufschrift „Overture Stage“. Sonst ist die Orgel ganz SEMPRA. Übrigens ist meine Orgel unter den umgebauten SEMPRAS einzigartig: Die Seitenwangen sind gerade, nicht gewölbt wie bei der Overture. 

 

Vom Gewicht her läßt sie sich einfach transportieren, ist aber ein wenig sperrig, die Orgel sollte möglichst von zwei Personen transportiert werden.

 

Auf den Fotos wirkt das Touch-Display relativ klein, insbesondere bei den größeren und wuchtigeren Modellen wie die SE 60, die 500SE (Sinfonia) und natürlich 600SE (Emporio). Aber in Wirklichkeit ist das Display recht groß. Groß genug selbst für Wurstfinger.

 

Und wenn das nicht reicht: Fast alles kann auch über Tasten auf dem Bedienfeld gesteuert und eingegeben werden. 

Ein wesentlicher Punkt: Das Display ist entspiegelt und daher auch bei hellem Bühnenlicht noch zu lesen.

Die Orgel startet schnell, in 5 Sekunden ist das Instrument gebootet und spielbereit. Das ist schneller als die meisten aktuellen elektronischen Instrumente. Für die, die das nicht glauben mache ich mal ein Video. 

Auch das Herunterfahren (sollte man bei den umgebauten SE 20 immer machen) aus dem Menü dauert nicht mehr als 1-2 Sekunden. Bei nativen SEMPRAS wird das automatisch über den Powertaster erledigt.

 

Das von Böhm entwickelte Betriebssystem und die UI, die Benutzeroberfläche reagieren schnell und ermöglichen sogar die Zugriegel zu „zeichnen“. 

 

Überhaupt ist die Bedienoberfläche eines der Highlights. Dezente, nicht übertriebene Farbgebung, eine durchgängige einfache Bedienerführung, das kennt man sonst von deutschen Produkten nicht, siehe SAP. 

 

Nur manchmal ist der Kontrast nicht so schön gewählt. Stummgeschaltete Parts erscheinen ja zumeist in einem hellen Grau. Wenn man einen solchen Part markiert durch anklicken, kann man dann die Schrift nicht mehr lesen. 

 

Die einfache Bedienung beginnt schon im Hauptbild: Während links die Liste der Songs ist, die man entweder mit dem Datenrad oder den Funktionstasten durchsuchen kann, alternativ kann man auch nach Namen suchen, sind rechts die Presets, die im Song enthalten sind (6 Stück). In der Mitte finden sich Einstellungen zu den Parts (Voices) und Styles. 

Am oberen Rand ist noch eine Statusleiste, am unteren eine relativ frei belegbare Funktionstastenleiste. Diese besitzt meist zwei Ebenen, die man mit der Shift-Taste am Bedienfeld umschalten kann. 

 

Dieses Schema setzt sich auch in anderen Einstellungen fort:  Links die Grobe Kategorisierung, rechts die feine. Und in der Mitte bearbeitet man, oder wählt aus. Das ist gerade bei den 1.500 Voices sehr praktisch. 

 

Also: Man wählt links die Grobe Kategorie aus, beispielsweise Orgeln, Klaviere Blechblasinstrument etc. Und rechts bekommt man dann die Unterkategorien: Orgeln mit Zugriegel, mit Rotor, Theaterorgeln etc. In der Mitte wird dann eine Liste mit den zugehörigen Voices angezeigt. Die Auswahl der Styles läuft ähnlich. Und auch bei der Arbeit mit USB-Laufwerken. Es gibt übrigens drei USB Anschlüsse. Einen auf dem Bedienfeld, die anderen beiden auf der Rückseite.

Ich habe noch ein EDS-Modul für die klassische Hammond-Orgel. Aber das merkt man kaum, die Bedienung ist wie bei dem REAL ORGAN Modul und wird sowohl über die Tasten, die echten Zugriegel für das Obere Manual, oder den Touchscreen bedient. Bis jetzt habe ich keine Einschränkungen zum REAL ORGAN entdeckt. 

 

Ein Vorteil für deutschsprachige Spieler ist natürlich, das die Bedienerführung komplett in Deutsch gehalten ist. Kann man natürlich auch umstellen. 

 

Sehr viel Wert hat man bei BÖHM auch auf die Begleitsektion gelegt. 350 Styles sind verbaut, darunter neben den üblichen Styles auch Styles für Diskofox und Schlager. Aber das ist natürlich nicht genug. Man kann - ohne externes Konverterprogramm - Styles im Yamaha-Format direkt einlesen und benutzen. 

 

Und dazu kann man nicht nur, wie bei der Ringway RS 1000, die Instrumentierung und die Drumkits ändern, sondern viel weitergehende Änderungen durchführen. Bei den Drumkits gibt es sogar eines, welches den legendären BÖHMAT, die erste Einfingerautomatik, nachmacht. Ist zwar eher in den Bereich Spielerei einzuordnen, aber für das gerade angesagte Vintage ist das wohl ein hübscher Einfall. 

 

Zu den weiteren Änderungen: Jedes Drumkit, ja jeder Trommel läßt sich mehr oder weniger Dynamik zuordnen. Dazu kann man eigene Begleitungen einspielen. Alles in Allem läßt die Begleitung nichts zu wünschen übrig und gibt mehr Freiheiten als bei den meisten anderen Instrumenten. Vieles kann man schon am Instrument selber ändern und muss nicht auf einen PC oder Mac zurückgreifen. 

 

Was ich noch nicht getestet habe, ist, ein Midi-File mit entsprechenden Markern versehen und dann damit spielen, wie mit einem Style. 

 

Was derzeit noch fehlt, ist ein Audiorecorder. Dafür habe ich ja schon seit einiger Zeit die Kamera mit der ich für Youtube meine Aufnahmen mache. Die Aufnahmen sind qualitativ von Sound auch sehr gut, so dass ich oft den Sound aus den unbearbeiteten Filmen separat als MP3 abspeichere. 

 

Auch sind derzeit noch einige Dinge, wie z.B. Arpeggios, Fade in und Fade out nicht implementiert. Ich bin aber sicher, das BÖHM hier sehr schnell nacharbeitet und nicht wie bei Orla einfach das Merkelprinzip nutzt, nämlich einfach aussitzt. 

 

Den Solochord-Modus werde ich bei Gelegenheit noch explizit testen. 

 

Für mich persönlich sehr wertvoll: Die Transponierung kann direkt auf dem Bedienfeld geändert werden und wird in den Presets gespeichert. Das macht es einfach, die gesamte Transponierung zusammen mit der Stimmung zu ändern. 

 

Neben dem Pitch-Bend-Wheel gibt es noch zwei Modulationsräder für das Ober- und für das Untermanual. Diese können beliebig zugewiesene Funktionen bekommen. Darüber hinaus kann man fast alle Tasten, Fader ja sogar die Zugriegel neu belegen. 

 

Vom Sound her sind die Voices auf sehr hohem Niveau. Streicher klingen auch in den höheren Lagen satt und kräftig. Es gibt schöne Saxophon und Trompeten. Die Panflöte(n) klingen echt und vielschichtig. Die Hammond-Orgel ist so, wie sie sein soll, einerseits kann man warme eher jazzige Klänge einstellen, andererseits kann man die Orgel auch schön „schreien“ lassen für Rock- und Pop-Stücke. Die Orgel Presets klingen rund und passend, egal ob Vintage, oder Modern. Auch bei den Presets kann man einen Rotor schneller und langsamer einstellen zusammen mit dem typischen Effekt des Beschleunigens und Langsamer Werdens.

 

Auch die Styles sind schon sehr stimmig. In vier Variationen und jeweils vier Intros und Endings bieten sie schon mal viel Abwechslung. Dazu kommt, das sich jeder Style noch beliebig — und diesmal meine ich wirklich beliebig — anpassen und neu abspeichern lässt, ergeben sich unendliche Möglichkeiten. Nicht zuletzt kann man Yamaha Styles direkt benutzen und auch Midi-Dateien mittels Markern so verwenden, wie ein Style. Später kommen noch Arpeggios und so genannte Sidelines hinzu. 

 

Mein jetziges Fazit, bevor ich jetzt noch mehr schreibe: Die Orgel ist ein Traum. Alles dran, was ich für meine Musik benötige und noch vieles mehr. Sicherlich noch viele Dinge die ich hier nicht beschrieben habe, und erst noch entdeckt werden wollen. Da ich die Orgel nur wenige Stunden benutzen konnte, bevor ich beruflich bedingt wieder in unsere Bundeshauptstadt musste, gibt es noch nicht mehr Videos. Also erstmal bis auf weiteres. Heute gehts aber zurück und ich werde das Wochenende nutzen.