Die Feinde des Genusses

Manchmal wenn mir fad ist, surfe ich mal einfach so im Netz. Dabei habe ich auf jetzt.de diesen Artikel entdeckt. Ich habe den Artikel nicht gelesen, da mich Modetrends nicht interessieren. Was mich dabei so angesprungen hat war dieser Anreißer: "Sie propagieren, wovon wir doch gerade beschlossen hatten, wegzuwollen: die Handysucht.


Da stolperte mein Hirn mit der Frage: Wer ist wir? Ich wüsste nicht, das ich irgendetwas beschlossen hätte. Klar, auch ich finde es idiotisch, mein Handy an einer Kette um den Hals zu hängen. Das sieht genau so aus, wie die ganzen Firmenausweise, die man sich um den Hals hängt. Wie die Schlüsselkinder damals in den 70ern. Die wurden ja meist auch bemitleidet, da sie meist keine Eltern hatten, die zuhause warteten. 

 

Aus diesen Schlüsselkindern von damals, so scheint es, rekrutiert sich die Zielgruppe der diversen Online-Gazetten ob Jetzt.de, buzzfeed und Bento. Zielgruppe scheinen vor allem die junge 21 jährige Studentin zu sein, die den Tag damit verbringt, Latte Macchiato (natürlich nur glutenfrei, lactosefrei und vegan) in irgendwelchen In-Läden zu trinken, über Twitter und einem angesagten Blog, wahlweise auch Youtubekanal ihren Weltschmerz und die Ungerechtigkeit darüber auszudrücken, das ihre Belanglosigkeiten niemand interessieren, und nebenher noch Hausaufgaben zu machen. 

 

Ganz neben her haben "wir" doch schon schon beschlossen, von so vielen Dingen wegzuwollen: Rauchen, Sitzen (das neue Rauchen), Fleisch (ganz wichtig!), jedweden Alkohol, und natürlich Sex. Fehlt eigentlich nur noch Musik, aber da wird ja schon dran gearbeitet, wenn man sich die aktuellen Charts mal so anhört.

 

 Genuss ist - zumindest nach den Damen bei jetzt.de, bento und anderen - etwas für alte weiße Männer. Man selbst zwängt sich den veganen, glutenfreien und geschmacksbefreiten Burger herunter, um sich in den sozialen Medien als Bessermensch und den "Burger" als "vegane Schlemmerei" zu bezeichnen. Während man hintenherum mit hochgezogenem Kragen und Sonnenbrille verkleidet bei McDonalds drei Cheeseburger mit 100% Simmentaler Rind herunterschlingt als gäbe es kein Morgen. 

 

Nun, ehrlich gesagt bin ich inzwischen auch so  ein alter, weißer Mann. Ich bin es leid, dass immer mehr versucht wird,  mich durch ein permanentes schlechtes Gewissen zu erziehen. 

 

Zumal die meisten Argumente der vermeintlichen Bessermenschen immer auf die Gefühle abzielen., um perfide auf Gefühlsebene ein schlechtes Gewissen zu erzeugen.  

 

Nun klappt das nicht immer. Denn dieser ständige Appel an die Gefühle stumpft ab. Ja, natürlich, schlachten ist kein schöner Vorgang. Und natürlich gibt es schwarze Schafe. Das weiß jeder Erwachsene, der Fleisch isst, ich mache da für mich keine Ausnahme. Nun ist es aber so, das mein Körper Fleisch braucht um zu funktionieren. Vegan heißt für mich nichts mehr und nichts weniger als noch mehr Medikamente schlucken, als ich muss. Und dass will ich nicht. Essen muss ja für mich eben nicht den Hauptteil meiner wachen Zeit ausmachen und ist auch für mich keine Religion.  

 

Auch was Sex betrifft. Ich bin in den 80ern sozialisiert worden, in einer Zeit in der es echte emanzipierte Frauen gab. Frauen, die sagen, wenn sie Sex mit mir wollen. Und mir ohne Probleme auch zu verstehen gaben, wenn sie es nicht wollten. 

 

Zum Thema Musik habe ich schon etwas geschrieben, und zwar hier. Geändert hat sich zwar nichts, aber vor kurzem habe ich zwei Jungs, nicht älter als 16 mit dem Fahrrad gesehen (und vor allem gehört). Anstelle der allgegenwärtigen Rapmusik war es ein Lied auf die Melodie von "Je T'aime Mon Amour".  Entweder ich werde alt, oder die echte und gute Musik kehrt langsam zurück.