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Bei Magdeburg, 2019

Eigentlich wollte ich ja nicht mehr reisen, aber einige Kunden meines neuen Arbeitgebers insistieren auf dem persönlichen Erscheinen. Das sind auch meist die Kunden die in der Pampa, fern von funktionierendem ÖPNV ansässig sind. 


Also, Montag hin, Dienstag Morgen Termin und wieder zurück. Ich weiß, warum ich mir diesen Streß nicht antun mag. Aber es hilft ja nichts, musste durch, meint mein Boss, also gehe ich. 

 

Die Anreise war relativ stressfrei im IC von Kölle nach Magdeburg, von dort in den RE nach jenem kleinen Örtchen, was ich aus Datenschutzgründen nicht nennen möchte. Aber schon als ich in den IC nach Dresden einstieg, schallte mir diese Krankheit von einem Dialekt namens Sächsisch entgegen. Grausam!

 

Was soll ich sagen, es war ein Kulturschock. Gut es war Montags, kurz vor 18 Uhr. Aber bis auf eine Apotheke und der obligatorische Dönerladen war kein Geschäft auf. Die Häuser verfallen, viele ältere Gebäude mit kaputten Fenstern und unbewohnt. Dafür dann ein Neubaugebiet in der Nähe des Bahnhofs. In der Innenstadt, hochtrabend Altstadt genannt, war die Zeit irgendwie in den 70’ern stehengeblieben.

 

Zum Hotel: es war sauber, einfach eingerichtetes Zimmer aber sauber. Zum Essen bin ich in die Dönerbude gegenüber des Hotels gegangen. Ich war der einzige, der vor Ort gegessen hat. Pizza. Ein dicker Teigfladen mit wenig Geschmack, dazu ein Uludag. Das hielt mich auch vom Schlaf ab.

 

Nach dem Essen zurück ins Hotel, ein paar Youtube Videos geschaut (hier gibts schnelles LTE!) und dann versucht zu schlafen. Wegen der stickigen Luft machte ich das Fenster auf, und obwohl ich hier direkt an der Straße zur Altstadt bin, fuhr ab 20 Uhr so gut wie niemand. Totenstille. Etwas, was den ganzen Ort betraf. Noch nicht einmal besoffene Nazis, zumal Köthen, bekannt durch RTLII nicht so weit entfernt ist.

 

Das Frühstück war eher so mäßig, aber wenigstens gab es Tee. Brötchen in XXL, allerdings frisch vom Bäcker, Industriewurst und Käse. War in Ordnung.

 

Dann zum Kunden gewandert, Bus gab es nur einmal pro Stunde und fuhr nicht. Der Kundentermin war okay, mein Auftritt in Ordnung, denke ich. Das was umgesetzt werden sollte funktioniert allerdings so nicht, da noch Pakete und Support Packages fehlen. 

 

Den Weg zum Bahnhof habe ich dann wieder zu Fuß angetreten. Mein iPhone führte mich durch ein Industriegebiet, das ich eher unter Industriemuseum ansiedeln würde. Ganze drei neuere Firmen, der Rest wurde von heruntergekommenen Industriebaracken und einem zugewilderten Fußweg bestimmt. Dahinter das schon erwähnte Neubaugebiet und dann der Bahnhof. 

 

Ich bin zu dem Schluss gekommen, das die jüngeren schon lange abgewandert sind und sonst nur noch die wenigen Menschen, die hier leben, entweder bei meinem Kunden arbeiten oder ihre Rente hier verbringen. Auch hing in der Luft ein — irgendwie — metallischer Geruch, der mich bis zu Hause verfolgte.

 

Fazit: Für mich eine Gegend wo ich nicht tot vom Zaun hängen möchte. Und das dortige Seniorenwohnheim soll bitte ohne mich klarkommen.