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Corona

Erst einmal, es geht mir gut. Ich arbeite vom Home-Office aus. Noch kann ich einmal pro Tag raus und die Hunde spazieren führen. 

In meinem Dorf gibt es noch keinen Infizierten. Trotzdem überschlägt sich die Facebook-Gruppe mit Forderungen nach Ausgangssperre, es wird jeder gezählt der auch nur am Spielplatz vorbeigeht. Die Leute drehen am Rad. Wie immer, wenn sie nichts besseres zu tun haben. Und natürlich gibt es halt auch einige Idioten, vornehmlich aus Rumänien oder aus anderen osteuropäischen Staaten, die es immer noch meinen krachen lassen zu müssen. Wobei man diese Leute auch verstehen kann. Die stehen am unteren Ende der Nahrungskette, kommen aus einem Land das zwar auch schon seit 30 Jahren frei von Diktatoren ist. Das kennt man und dahin will man eben nie wieder zurück. 

 

Die Leute werden wohl nicht eher Ruhe geben, bis vor jeder Tür ein SEK-Mann mit Maschinenpistole steht und keinen rauslässt ehe man nicht ein offizielles Erlaubnispapier vorzeigt. Mit Siegel und Unterschrift der Kanzlerin. Das deutsche Spießbürgertum mit Hackenschlag halt. 

 

Gut mir kommt es gerade recht. Ich bin introvertiert und hasse es, mit Menschen kommunizieren zu müssen. Deswegen bin ich ja liebend gern der Typ im Hintergrund, der knöstert. Und wenn ich mit den beiden rausgehe, kann ich jetzt bei anderen Menschen die Straßenseite wechseln ohne das mir das gleich als Rassismus oder anderes vorgeworfen wird. 

 

Aber doch merke ich schon jetzt, was diese Zeit aus mir macht. Es ist ein ganz massiver Kontrollverlust. In mir steigt die Lust mich zu widersetzen. Verbotenes zu tun. Und sei es nach 22 Uhr die Musik aufzudrehen. Einfach weil ich es kann. Ich merke, wie mir die anderen hier immer mehr egal werden. Vor allem diejenigen, die schon mal im vorauseilenden Gehorsam Massenerschießungen für Corona-Verweigerer fordern. Social Distancing funktioniert halt. Egoistisch? Vielleicht. Aber auf jeden Fall menschlich. 

 

Es ist vor allem die Ungewissheit. Täglich kommen neue Verbote, Ausgangssperren hier, Versammlungsverbote da. Als freiheitsgewohnter Westeuropäer ist das nun mal schwer zu verdauen. Auch das die Verbote von denjenigen ausgesprochen werden, die diese Krise erst mitverursacht haben. Jens Spahn (natürlich: CDU), den heute alle als herausragenden Krisenmanager feiern und auch schon als Kanzler sehen, hat noch vor wenigen Wochen Krankenhäuser schließen wollen und nichts getan hat um das Gesundheitssystem zu stärken. Nun, er ist gelernter Banker, was soll er auch großartig können? Das Frau Merkel nichts mehr werden will, das glaube ich ihr sogar. Und ich glaube ihr auch, das sie diese Krise unterschätzt hat. Aber trotzdem fällt ihr nichts anderes ein, als Verbote zu erlassen, die jeden kleinen Erdogan vor Neid erblassen lassen würde.

 

Alles nicht dazu geeignet den immensen Kontrollverlust zu kompensieren. Das brauchen die Menschen, wenn sie weiter funktionieren sollen. Es ist den meisten Menschen schon klar, das am 19. April das ganze noch nicht zu Ende ist. Und wenn erst massenweise die Kündigungen in die Briefkästen flattern, dann ist es mit der Zurückhaltung definitiv Ende. Diese Prognose wage ich einfach mal. Da nutzen dann auch 1000 neue Hashtags und drei Millionen Videos mit der Dauerbotschaft „Bleibt brav zuhause.“ nix mehr. 

 

Ich bin es gewohnt mein Leben weitestgehend selbst im Griff zu haben. Ich brauche keine Nanny. Da ist man schnell Abweichler, gerade heute, wo jeder am liebsten sein ganzes Leben vom Staat geregelt haben möchte. Aber selbst die kleine Illusion der Freiheit hält die Menschen aufrecht. Rausgehen, wann man will. Mit wem man will. Leute treffen. Wild knutschen und vögeln. In eine Bar gehen und sich hemmungslos besaufen. Für die meisten ist es genug. Und auch wenn ich selbst kaum rausgehe, muss ich zumindest die Möglichkeit haben. Reicht mir schon. Ja, damals in der Reha habe ich auch an Sonntagen, wenn ich keine Termine habe, meist die Zeit im Zimmer verbracht. Aber da wusste ich, dass ich jederzeit rauskonnte. Wenn ich wollte. Und das macht den Unterschied zu heute.

 

Das ist das Stichwort: Selbst entscheiden, was man machen will. Und das fehlt. 

 

Noch äußert es sich nur im Hamstern von Toilettenpapier. Warum hamstert der Doitsche Toilettenpapier? Klar: Er weiß von Kanzler Birne halt: Es zählt, was hintenraus kommt. Der Niederländer hamstert Haschisch. Dauerbreit übersteht man die Scheiße halt besser. Die Franzosen eher klassisch mit Rotwein und Kondomen. Mon amour toujours. Alles Maßnahmen um den Kontrollverlust zu übertünchen. 

 

Und da ist das Dilemma: Wenn man spätestens nach dem 19. April all diese Diktatoren-Massnahmen wieder zurücknimmt, könnte es dazu führen, das diese ganze Flatten-The-Curve-Sache am Ende für die Katz ist. 

 

Läßt man diese Maßnahmen weiterlaufen, bis man vielleicht einen Impfstoff hat, könnte es einen veritablen Bürgerkrieg, mit mehr Toten als der Corona-Virus jetzt schon fordert, geben. Mit Plünderungen und allem was dazugehört. Es werden ja jetzt schon Autos aufgebrochen wegen Toilettenpapier. Wie schon bei Werner der Eckart gesagt hat: Nach Fest kommt Ab.