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Lieber Boomer*innenhasser*in — oder warum ich nicht gendere

Eigentlich habe ich zum Thema Gendern und dem Gendersternchen schon alles hier gesagt. 


Nun kommt ein Millenial-Grünschnabel daher und fordert in seiner arroganten Weise, wie alle die von einer Ideologie getrieben sind, dass alle doch bitte gendern mögen und wer das nicht tut, ein alter, heterosexueller Mann ist, der doch Bitteschön die Klappe zu halten habe. 

 

Der Wortvogel hat dazu schon geschrieben, doch ich möchte auch meinen Senf dazugeben. Keine Sorge ihr Schneeflöckchen, mein Senf ist mittelscharf und kommt weder aus Düsseldorf noch aus Bautzen. 

 

Ich drösle das dann mal von hinten auf. Herr Wildschutz schließt seinen, vor Arroganz triefenden Text mit seiner persönlichen Hoffnung: „Denn meistens seid Ihr Boomer*innen alt und geht irgendwann in Rente. Nach und nach wird eine andere Generation in die Redaktionen kommen, und mehr Menschen werden sich für gendergerechte Sprache einsetzen.

 

Nun, seine Hoffnung mag sich erfüllen, doch die Redaktion der Zukunft wird ziemlich leer sein. Denn die Generation der von ihm so verhassten Boomer ist die letzte die noch Zeitungen auf totem Holz kauft. Und das die neue Generation der Millenials bereit ist, für derlei Meinungsartikel noch Geld zu bezahlen ist fraglich. Schon jetzt wackeln die Jugendportale der Zeitungen, Bento ist zu, Z.ett ist auch weg. jetzt.de ist angezählt. Es gibt halt nicht viele 21-jährige Studentinnen mehr in Berlin, die eure freshen, urbanen, woken Texte lesen wollen. Und auch nicht die Zeit haben, zwischen kellnern und anderen Studentenjobs. 

 

Andere können nur noch mit massiven Klickbait und Anzeigenwüsten überleben, die sich die Leute auch nicht mehr ansehen wollen. Die jungen, freshen, woken Schneeflöcklein in den Redaktionen werden sich dann der harten Realität stellen müssen: Sie werden nicht mehr gebraucht. KIs können schon heute bessere Artikel mit und ohne gendern schreiben, und der Rest sind Pressemitteilungen, die einfach nur kopiert werden. Nur noch dort wo echtes Expertenwissen gefordert ist, werden echte Menschen gebraucht, die man dann gut bezahlen muss. 

 

Der Rest ist Prekariat und darf sich als unbezahlte Praktikanten herumschlagen, immer mit der Möhre vor der Nase, einen echten Job zu haben. Tut mir nicht wirklich leid. 

 

Wildschutz spricht in seinem gesamten Traktat von Argumenten die er von den Gegnern des Genderns einfordert. Er selber hat keine. Er verweist auf Argumente im Netz. „Googlet doch mal selber!“, warum fallen mir bei solch einer „Argumentation“ immer so Typen wie Attila Hildmann ein? 

 

Gut ich will mal nicht so sein: das Deutsche hat grammatikalische Geschlechter. Die hat es unter anderem von den Römern mit ihrem Latein übernommen. Fordert Herr Wildschutz jetzt auch, das das Lateinische gegendert wird? Natürlich nicht. Das grammatikalische Geschlecht hat nichts mit dem Biologischen Geschlecht zu tun. Siehe: Der Mann, die Frau (hier entspricht das grammatikalische Geschlecht dem biologischen), aber: Der Junge und das Mädchen (hier nur zum Teil). Und wenn das Mädchen aber lieber ein Junge sein will und sich verkleidet, und es niemand merkt? Dann ist es eben der Junge. Umgekehrt genau so. 

Was ich damit meine ist, dass das grammatikalische Geschlecht nichts mit irgendwelchen biologischen oder anderen Geschlechtskonstruktionen zu tun hat.

 

Im Gegensatz zum Latein ist unsere Sprache lebendig und verändert sich laufend. Doch jeder Versuch, Sprache von oben herab zu ändern, ist eben arrogant. Und wird auch nichts helfen. Das war schon bei der Rechtschreibreform so: Es wurde nur angenommen, was in den Schreibfluss passt, beispielsweise „daß wurde zu dass“. Am Ende sucht man sich hier nur das raus, was man will und wo die Rechtschreibprüfung nicht anschlägt. Auch werden englische Wörter verwendet, in einigen Bereichen, wie der EDV, mehr, in anderen Bereichen weniger. Und auch hier gilt, wer es übertreibt, wirkt arrogant. Siehe den Werbeagenturfritz der solches von sich gibt: „Ich bin committed zum Morning Meeting den Conversation-Report zu deployen.“ Schrecklich nicht? 

 

Und daher wirken die meisten Gender-Schreibweisen eben nur eins: Arrogant. Eine Problemlösung für Scheinprobleme gelangweilter Pseudojournalisten und Genderstudentinnen.  Niemand kann sie vernünftig aussprechen. Und ihr seid euch ja immer noch nicht einig, wie man richtig gendern soll. Der eine mit Stern, der andere mit Doppelpunkt, was kommt als nächstes? Ich schlage das At-Zeichen (@) vor. Damit kann man EDV-Systeme so richtig verwirren. 

 

Meine Antwort an Sie, Herr Wildschutz, ist: Wenn man seinen argumentativen Gegnern unterstellt keine Argumente hören zu wollen, hat man in der Regel selber auch keine. Und man will auch selber nicht auf andere Argumente hören, denn man ist ja im Besitz der ultimativen Wahrheit.

 

Und doch ist, was Sie machen nur eines: unredlich.