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Mein Weihnachtsgeschenk

Heute gibt es von mir ein kleines Weihnachtsgeschenk. Eine Geschichte, die Ich seit ungefähr 2006 geschrieben und heute erstmalig fertiggestellt habe. Zu finden ist sie hier.


Ein kleiner Vorgeschmack: 

Als es dunkel wurde

Diese Geschichte beginnt im Jahre 1750 nach Christus. Es war in einem Land nicht weit von hier. Dort wurde – und wird – heute noch an die Geschichten von Blutsaugern und Hexen geglaubt. Und das Blutgericht der alten Zeit hat sich bis in das aufgeklärte Viktorianische Zeitalter erhalten. Dort auf dem Lande, wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht” sagen. 

Ein junges Mädchen wurde in den Wald gebracht. Das gesamte Dorf war auf den Beinen. Der Priester erteilte ihr den Segen, als sie an den Baum gebunden wurde. Sie war zu schwach sich zu wehren und sie war wunderschön. Ihre Kleidung war zerrissen. “Möge der Allmächtige sich ihrer erbarmen!”, meinte der Priester noch, dann gingen die braven Dorfbewohner, angstschlotternd nach Hause. 

“Was geschieht mit ihr?”, fragte ein kleines Mädchen ihre Mutter. “Das, was mit allen geschieht, die böse sind. Der Vampir holt sie. Und wenn sie morgen noch lebt, wird sie freigelassen”, erklärte ihre Mutter. 

Es war ein ungeschriebenes Tauschgeschäft. Die Bauern brachten ihre Verbrecher zum Baum, dafür schonte der Vampir ihre Frauen und Kinder. Meist dachte niemand darüber nach, warum die Leute, die sie am Baum festbanden verschwanden. 

Nun war dieses junge Mädchen allein. Ihr einziges Verbrechen war, dass sie anders war. Ihre Eltern kamen von weit her und waren gestorben, bevor sie das Dorf erreichten. Dort wurde sie zwar murrend aufgenommen. Doch irgendwann hatte jemand sie bei verbotenen Dingen erwischt, Hexerei. Sie betete eine kleine Statue an, die sie “Buddha” nannte. 

Sie war allein. Nichts hatte man ihr gelassen ausser einem dünnen Hemd, und sie fror. Sie war ein wunderschönes junges Mädchen, das gerade 15 Lenze hinter sich hatte. Doch irgendwie hatte sie das Gefühl, das irgendjemand sie beobachtete. 

Es war der Vampir. Er war der letzte hier. Er war hinter dem Baum versteckt und beobachtete das verstörte Wesen. Von seinem Aussehen, war er gerade 17, doch eigentlich war er schon weit mehr als 100 Jahre alt. Und in ihm regte sich ein Gefühl, das er kaum kannte. Er hatte Mitleid mit dem Mädchen – nein es war mehr. Er verließ leise sein Versteck und kam auf sie zu. Sie erschrak. Der Geruch der Angst überdeckte alles andere und hätte beinahe dazu geführt, das der Vampir seine Blutlust nicht mehr unter Kontrolle hatte. 

Doch er hob die Hände. “Du brauchst keine Angst zu haben!”, meinte er und legte seine magische Charmeattacke in seine Stimme. Er spürte, wie das Mädchen sich beruhigte. “Ich binde dich los”, erklärte er ihr. Sie wehrte sich nur halbherzig. Der Junge roch sehr gut, er schien öfter zu baden. “Keine Angst. Ich weiss, das du unschuldig bist. Die Bauern sind halt dumm und leicht zu beeindrucken. Komm mit. Ich bringe dich auf mein Schloss und dort können wir reden, in Ordnung?”, fragte er. Das Mädchen schien nichts dagegen zu haben. “Halte dich an mir fest!”, bat er sie und er umschlang ihren Körper. Sie tat es ihm nach und dann erhoben sie sich. Noch fester umklammerte sie ihn und verbarg ihr Gesicht auf seiner Brust. 

Halbe Ewigkeiten später waren sie auf dem Schloss gelandet. Kaum hatte sie sich gelöst, war sie in Ohnmacht gefallen. Als sie wieder aufwachte, lag sie in einem großen Bett, größer und weicher als sie es je in ihrem Leben erlebt hatte. Die Sonne schien in das Zimmer. Sie sprang auf. Wenn das der Tod war, den sie erleben sollte, war dies der wunderbarste Tod überhaupt. Das Zimmer schien riesig zu sein. Sie rannte zum Fenster. Sie sah auf das Tal hinab, dort wo sie bis vor ein paar Tagen gelebt hatte. Das war Vergangenheit. Es gab einen Tisch, wo ein gewaltiger Berg zu essen aufgetischt war. Ein Kleid hing über einem Stuhl, prächtiger als sie es je gehabt hatte. 

Doch zu erst ging sie zu einem geradezu riesigen Badezuber und goss sich heisses Wasser aus einem Kessel ein. “Wie ich sehe, seid ihr aufgewacht”, hörte sie eine weibliche Stimme und erschrak. In der Tür stand eine ältere Dame und lächelte sie herzlich an. “Komm, lass mich das machen”, erklärte sie und nahm beherzt den Kessel vom Haken. Sie goss das heisse Wasser in den Zuber und meinte: “Warte einen Moment. Ich bringe dir frische Tücher und Seife.” Sie verschwand und nach wenigen Minuten brachte sie das gewünschte. “Auf dem Tisch steht eine Glocke, klingele ruhig, wenn du noch etwas benötigst”, meinte sie und verließ das verdutzte Mädchen. 

Sie entkleidete sich und setzte sich in das warme Wasser. Gründlich seifte sie sich ein und wusch sich. Mit dem heißen Wasser verschwand ihre Anspannung. Nach dem Bad trocknete sie sich mit den seidenweichen Tüchern ab. Sie entstammten ihrer Heimat, China. Sie kleidete sich an und schließlich aß sie von dem reichhaltigen Frühstück und trank von dem heissen Getränk, das in einer Kanne für sie bereit stand. 

Bis auf die Dame – sie wusste ihren Namen nicht – war ihr noch niemand begegnet. Nicht einmal der junge Schlossherr, den inzwischen war ihr klar, wer sie hierhin gebracht hatte und wem sie dies alles verdankte. 

Schließlich war sie so satt wie seit Jahren nicht mehr. Sie klingelte. Sie wollte fragen, wer denn der Schlossherr war und wie sie es ihm vergelten konnte. Die ältere Dame erschien. “Ich hoffe es war alles zu deiner Zufriedenheit”, fragte sie. “Ja”, meinte das Mädchen, “doch wer ist mein Gönner und wie kann ich ihm dafür danken?” Die Dame lächelte und erklärte: “Der Herr ist nur nachts auf und jetzt schläft er. Keine Angst, er hat mir persönlich aufgetragen für dein Wohl zu sorgen. Du bist hier in Sicherheit. Mein Name ist Bella. Ich soll dir das Schloss zeigen und sonst für alles sorgen, damit du keine Angst hast. Der Herr wird heute Abend mit dir speisen und dir alles weitere erklären.” 

Ganz waren ihre Zweifel nicht verstummt, doch sie folgte Bella, da sie unbedingt das Schloss kennenlernen wollte. Vielleicht suchte er eine neue Küchenhilfe oder eine Zofe oder so etwas. In jedem Falle besser als das Dorfleben. Sie hatte dort nie Freunde gehabt, da sie anders war. Selbst wenn er eine Bettgespielin suchte, war dies immer noch besser als gemieden zu werden. Alles würde er zum Dank von ihr verlangen können.

Das Schloss erwies sich als riesig. Und dann die riesige Bibliothek. Sie war schon immer begeistert von Büchern gewesen, und nun das! Dort waren sogar Bücher von Buddha selbst in feinsäuberlicher Handschrift auf Bambuspapier geschrieben, uralte Werke aus der Zeit der alten Ägypter und eine große Sammlung an Schriften in Latein. 

An einem Zimmer aber gingen sie vorbei. Sie fragte Bella, was dies für ein Zimmer ist. “Dies ist das Schlafzimmer des Herrn. Es ist dir als einziges verboten zu betreten”, erklärte Bella bestimmt. Sie würde vielleicht irgendwann einen Blick riskieren, doch nicht jetzt. Denn sie war neugierig. 

Die Sonne verschwand schon, als sie endlich wieder ihr eigenes Zimmer erreichte. “Ich hole dich zum Essen ab”, meinte Bella und verschwand. So blieb sie allein und ihren Gedanken überlassen. Sie war ziemlich aufgeregt, und irgendwie auf ihren geheimnisvollen Gastgeber gespannt. 

Einige Zeit später wurde sie abgeholt und in das Esszimmer gebracht. Dort wartete bereits ein dampfendes Essen auf sie und – der Junge. Er lächelte herzlich und brachte sie an ihren Platz, wo er ihr – ganz gentlemanlike – den Stuhl zurechtrückte. “Ich muss mich gleich entschuldigen, aber ich werde nicht mitessen. Doch du lang ruhig zu. Und habe keine Angst”, erklärte er. “Mein Name ist Hendrik von Bachstein, ich denke den Namen wirst du wohl gehört haben. Nenn mich ruhig Hendrik.” “Darf ich eine Frage stellen?”, fragte sie. “Natürlich”, meinte er. “Warum habt ihr mich gerettet?”, fragte sie, “und wie kann ich euch danken?” Er lachte. Es war ein angenehmes befreites Lachen, wie sie feststellte. Und er maß sie nicht mit den lüsternen Blicken, wie die Dorfbewohner. “Ich habe dich gerettet, ja warum wohl?”, fragte er sich, “Ich weiss, das du unschuldig bist. Du hast nichts falsch gemacht und ich wollte dich aus den Klauen der ungebildeten Bauern herausholen. Du brauchst mir nicht zu danken. Und wenn, dann einfach durch deine Anwesenheit. Bella hat mir erzählt, das du sehr beeindruckt von meiner kleinen Bibliothek bist. Sie dich ruhig um und lies, was du möchtest. Wenn du mir wirklich danken willst, dann sorge dafür, das ich nicht mehr so allein bin. Bella ist eine fabelhafte Person und eine hervorragende Köchin, doch ist sie mir nicht nahe. Wenn du mich verlassen willst, darfst du das natürlich jederzeit.” 

‘KLEINE Bibliothek?’, dachte sie. Ihr Herz machte einen Sprung. Sie durfte hier bleiben, im Paradies. “Wie heisst du eigentlich?” fragte er sie und riss sie so aus ihren Träumen. “Mein Name ist Cai, mein Herr”, antwortete sie. 

Er lächelte. “Ein wunderschöner Name. Doch du brauchst mich nicht Herr zu nennen. Ich bin Hendrik, in Ordnung?”, meinte er. Cai nickte. Sie beendete das Essen und begleitete Hendrik in die Bibliothek. “Du kommst aus Asien? China, nehme ich an?”, fragte er. ‘Er ist gebildet’, staunte sie. Sie nickte. 

Sie fühlte sich in seiner Nähe erstaunlich wohl. Er behandelte sie als Gleichgestellte. Er wollte wohl keine Bettgespielin. Das beruhigte sie – aber gleichzeitig bedauerte sie es auch irgendwie. 

Sie unterhielten sich noch eine Zeitlang, wobei er kaum etwas von sich preisgab. Als sie erklärte müde zu sein, brachte er sie auf ihr Zimmer. “Bitte besuche mich nicht am Tage. Es ist kein schöner Anblick, wenn ich schlafe. Schlaf denn wohl, bis morgen!”, meinte er. Er hatte ihr den Kerzenständer dagelassen und es war dunkel. Sie betrat ihr Zimmer und blickte auf das Tal. Ihr war, als würde ein Schatten sich vom Tal ins Dorf stürzen. 

Am nächsten Tag erwachte sie spät, fast schon gegen Mittag. Bella hatte ihr ein wunderbares Essen auf den Tisch gestellt. Sie ging in den Garten, da die Sonne schön am Himmel stand. Den ganzen Tag erkundete sie den herrlichen Garten, um abends wieder Hendrik am Tisch zu sehen. 

Es war wie am Vortag – sie aß, während er sie mit geistreichen Anekdoten unterhielt. Später sassen sie auf ihrem Wunsch im Garten am großen Teich. Glühwürmchen tanzten um sie herum. Ausgelassen liefen sie um den Teich. Sie fühlte mehr für ihn, und dies schien auch auf Hendrik zuzutreffen. 

Später sassen sie beide am Kamin und schwiegen. Sie fröstelte und rückte instinktiv näher an den Jungen heran. Er legte – schüchtern – seinen Arm um sie. Cai kuschelte sich noch näher. Sein warmer Atem umschmeichelte ihr Haar und er roch gut. So sassen sie lange. Irgendwann blickte Cai Hendrik ins Gesicht. Instinktiv wusste sie, das er sie küssen wollte – und hatte nichts dagegen. 

Ihre Lippen berührten sich erst scheu, dann immer fordernder. Es war wie eine Befreiung. Schließlich tanzten sie zu einem langsamen Walzer. 

Spät, sehr spät aber glücklich kam Cai auf ihr Zimmer. Hendrik war höflich genug, nicht mehr zu fordern. Sie hatten gelacht und gekichert, und immer wieder geküsst. Möge dies doch immer so bleiben! Eingekuschelt in die Bettwäsche schlief sie und träumte von ihm. 

Am nächsten Morgen meinte Bella zu ihr: “Ich glaube du tust ihm gut. Ich habe ihn noch nie so ausgelassen und glücklich erlebt.” Cai strahlte. “Und du scheinst dich hier wohl zu fühlen. Das freut mich. Denn der Herr hat sonst keine Freunde”, erklärte sie ihr. 

Sie zählte die Stunden bis zum Abend. Sie war so glücklich. Hendrik holte sie diesmal selber ab. “Sag mir, was möchtest du heute machen?”, fragte er sie. “Alles, solange es mit dir zusammen ist!”, meinte sie. 

Es gewitterte. Donner und Blitze zuckten über den Himmel und hallten in den Bergen wider. Sie spielten nach dem Abendessen Schach. Und irgendwann fragte sie ihn: “Warum kann ich dich nur nachts sehen, mein Geliebter?” Hendrik sah sie verdutzt an. “Weisst du es nicht? Was die Leute im Dorf über mich erzählen?”, fragte er. “Doch, ist das denn wirklich wahr? Bist du ein – Vampir?”, fragte sie. Er nickte. “Ja, die Leute im Dorf haben recht. Ich habe es nie jemandem erzählt, selbst Bella weiss nicht alles, sonst würde sie nicht hier bleiben. Ich habe ihr von einer seltenen Krankheit erzählt – und das ist es auch. All meine 100e Jahre würde ich gegen ein einziges menschliches Jahr tauschen”, erklärte er. Sie meinte: “Es ist mir egal, was du bist. Du hast mich behandelt wie einen Schatz, du hast mich aufgenommen. Doch dann gibt es eins – irgendwann werde ich alt und unansehnlich sein. Bitte verstoße mich dann nicht, oder ist es in deiner Macht, dass ich ein Vampir werde?” Er nickte: “Das ist es wohl, doch ich tue es nur ungern. Es kann Fluch aber auch Segen sein. Du wirst nie wieder das Sonnenlicht genießen können, denn es würde dich auf der Stelle töten, du musst das Blut der Lebenden trinken, um dich zu ernähren, und du würdest gejagt werden. Glaube mir, die Menschen im Dorf haben zu viel Angst, doch gibt es Menschen, die es wagen würden, mich anzugreifen. Vorletzte Nacht habe ich einige Jäger gesehen. Vampirjäger, die Jagd auf mich machen wollten. Ich konnte ihnen nur mit Mühe entkommen”, erklärte er.

Cai blickte ihn ernst an. “Und doch möchte ich bei dir bleiben, dir beistehen in Sturm und Ungemach. Ich weiss wie du bist. Die Leute im Dorf haben Angst, doch du hast ihnen geholfen, nach dem Sturm letzen Winter, als alles vernichtet war, warst du es nicht, der den Menschen Nahrung und Wasser gebracht hat?”, fragte sie. “Und du hast mich aufgenommen – mich, eine Sterbliche. Du hast mich nicht angerührt, obwohl ich dir ausgeliefert war. Du hast Bella nichts getan, sie ist ein Mensch. Daher weiß ich, dass ich mit dir zusammen sein möchte. Ich liebe dich, Hendrik. Und niemand – nicht Alter, Krankheit und Tod – und auch nicht die Vampirjäger sollen uns trennen.” “Du hast das gemerkt?”, fragte er, “Mit den Nahrungsmitteln?” Cai lächelte: “Nur du kannst es gewesen sein. Ich bitte dich, wenn du mich wirklich lieben solltest, mach mich zu deiner Gemahlin, und ich werde dir auf ewig folgen!” 

Sie wollte es wirklich. Sie hatte sich in den Jungen verliebt, der da wohl wirklich ein Vampir war. Doch sie würde sich gedulden müssen. Es wurde schon Tag. Und der junge Vampir musste schlafen. Egal, nächste Nacht würde sie gemeinsam mit ihm verbringen. Er begleitete sie auf ihr Zimmer und verabschiedete sich. Niemand ahnte, das dies ein Abschied für immer sein sollte…

 

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