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Die neuen Pharisäer

Gerade die Aktion #allesdichtmachen zeigt ja gerade, wie die neuen Pharisäer ticken. Ob nun Leber vom Tagesspiegel, Jan Böhmermann, Stephan Niggemeier, Markus Barth und Ralph Ruthe. 


Leute, von denen ich mal viel  gehalten habe. Aber seitdem sie sich um das woke Lagerfeuerchen scharen, das mit dem Grundgesetz angefacht wurde, ist es aus. 

 

Alle sind im Moral-Panik-Rausch. Sie sind kalt erwischt worden, und das können sie nicht ab. Sie, die immer auf der richtigen, der guten Seite der Macht stehen wollen. Allen zeigen, wie gut sie sind. Wie aufrecht in der Haltung. Gegen rechts. Sie sehen sich als Links. Wollen aber mit dem Pöbel, der ihnen das Essen ins Haus bringt, die Straße fegt und den Wohlstandsmüll wegbringt nichts mehr zu tun haben. Saturiert und gelangweilt. 

 

Die wollen nicht mehr kämpfen. Weil sie nichts mehr haben, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Der Großteil der neuen Pharisäer werden in irgendeiner Weise von Staat alimentiert. Ob als Beamter im öffentlichen Dienst oder in Öffentlich-Rechtlichen Medien. Oder hat irgendeine Genderprofessur inne. Oder man bettelt um Spenden. 

 

Ihre größte Angst haben sie davor, dass man ihnen widerspricht. Schließlich haben sie immer recht. Immer. Und jeder der was anderes sagt hat unrecht. Und ist rechts. Mindestens Reichsbürger, AfD-Wähler oder Querdenker. Für sie ist Querdenker gleich Querulant. Und Querulanten waren noch bei keiner Ideologie beliebt. War immer so. 

 

Noch größer ist ihre Angst davor, das jemand dem Widersprecher zuhört, ja ihm vielleicht sogar zustimmt. Das wäre der Super-GAU, denn dann würde das sorgsam gehegte Kartenhaus in sich zusammenfallen. Da muss man mit der ganzen Härte vorgehen. Wenn dann auch das Framing „Rechts“ nicht mehr taugt, dann muss der Widersprecher weg. Am besten den Arbeitgeber informieren. Oder den Veranstalter. Oder sonst jemanden, der den Einfluss hat, das derjenige der widerspricht keine Chance mehr hat. Schließlich haben die Pharisäer von heute immer recht. Sind immer moralisch einwandfrei. 

 

Natürlich keift der neue Pharisäer nicht nur nach aussen. Sondern auch nach innen. Verjährung gibt es nicht. Und wenn sich halt herausstellt, das ein Pharisäer vor 20 Jahren vielleicht mal etwas despektierliches über irgendeine heutige Opfergruppe gesagt hat, dann kennen die Pharisäer keine Gnade. Ist schon einigen Journalisten passiert, die es gewagt haben einen AfD-ler zu interviewen. 

Und da das Kartenhaus jederzeit umstürzen kann – und das wissen die neuen Pharisäer – muss der Wind weichen. 

 

Und das macht Hoffnung: Wenn man die Pharisäer schon mit ein wenig Ironie, auf einem geistig intellektuellen Niveau das einem Vicco von Bülow (Loriot) gleichkommt, mit ein wenig grotesker Überzeichnung derartig auf die Palme bringen kann, dann brauchen wir mehr davon und der Drops ist gelutscht. 

 

Der Regisseur von #allesdichtmachen hat sich auf Twitter mit diesem wunderbaren Text zu Wort gemeldet:

 

»Es hat eingeschlagen. An alle, die jetzt von "Verhöhnung" schwurbeln: Ich schwurble jetzt auch mal. Ihr verhöhnt die Opfer. Ihr trampelt auf denen herum, die jetzt selbstmordgefährdet sind. Ihr spuckt auf all die, die ihre Existenz verloren haben.

Ihr macht euch lustig über das Leid derer, die in ärmeren Schichten und ärmeren Ländern über die Klinge springen, die ihr ihnen hinhaltet. Ihr seid zynisch und menschenverachtend. Es macht Spaß, so herumzupöbeln, stimmt's? Wollen wir trotzdem mal damit aufhören? Ja? Gut.

Oder nein, wir können auch noch ein bißchen weitermachen. Euch ist ja immer "übel" und ihr "kotzt" auch gern. Wißt ihr was? Mir ist auch übel. Und zwar wegen euch. Ihr seid ein Teil des Schlimmsten, was die Menschheit hervorgebracht hat: Ihr seid ein Lynchmob. Ganz einfach.

So, genug gepöbelt. Ich könnte jetzt die üblichen Distanzierungsfloskeln von mir geben, aber vorher schlafe ich vor Langeweile ein. Nazis sind Nazis und Selbstverständlichkeiten sind selbstverständlich. Und was auch selbstverständlich sein sollte:

Wenn Kritik an Corona-Politik "rechts" ist, dann ist meine linke Hand auch rechts. Ja klar habe ich Respekt vor allen Ärzten und Pflegern. Ich habe auch Respekt vor all denen im Lande, die im Eimer sind und nicht mehr weiterwissen. Und jetzt möge mir mal einer erklären, warum das eine zwingend das andere erfordert. Und warum unsere ganze Gesellschaft in einer Art Kriegszustand sein muss, in der die gesamte Zivilgesellschaft strammzustehen hat und nichts anderes mehr wichtig ist als der Kampf gegen den einen, maximalen Feind. Und wer fragt, ob dieser Feind wirklich so maximal ist und ob man den vielleicht auch mit anderen, zivilen Mitteln bekämpfen könnte, der ist ein Leugner und Volksfeind und muß an die Laterne gehängt werden. Ihr merkt gar nicht, was für Reflexen ihr hier nachgebt, aber das ist Teil des Problems.

An einer Medienelite, die den immer härteren Lockdown fordert und jeden Kritiker mit Verweis auf volle Intensivstationen zum Abschuss freigibt, gibt es jede Menge zu kritisieren. Und dieser Shitstorm kommentiert sich ohnehin selbst.

Hat euch Tod und Sterben jemals interessiert? War es euch bisher egal, dass um euch herum jeden Tag Menschen aus vermeidbaren Gründen gestorben sind? Aber auf einmal gibt es für euch nur noch dieses Thema?

Keins von diesen Videos handelt von der Pandemie. Aber sie ziehen das hohle Pathos durch den Kakao, mit dem wir uns seit einem Jahr konfrontiert sehen. Sie kritisieren die Gnadenlosigkeit, mit der alles, das jetzt den Bach heruntergeht, als zweitrangig abgetan wird.

Sie hinterfragen die Geschichten, die eine Gesellschaft sich selbst erzählt. Und wenn diese Gesellschaft (oder die 1%, die auf Twitter sind) dann derart überschäumend reagiert, dann war das Ganze offenbar notwendig. Ende.« via